Schönheit um jeden Preis?

13. Juni 2006, 13:32
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Selbstbewusstsein und Individualität versus weibliche Schönheitsideale - Kontroversielle Debatte beim "Frauen Stadt Talk"

Wien - Mit weiblichen Schönheitsidealen und den oft extremen Folgen des "Schönheits-Zwangs" beschäftigte sich auf Einladung von Frauenstadträtin Sonja Wehsely Montag Abend ein "Frauen Stadt Talk" im Schikaneder Kino. Als Impuls wurden Sequenzen aus dem neuen Film "Madeover in America" von Bernadette Wegenstein und Geoffrey Alan Rhodes gezeigt. Dieser Film beschäftigt sich mit US-amerikanischen Reality-Shows wie "The Swan", in denen sich junge Frauen vor laufender Kamera diversen Schönheitsoperationen unterziehen.

Vermittelte Bilder

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion mit Sophie Karmasin (Geschäftsführerin Karmasin Motivforschung), Dagmar Millesi (Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie), Katja Oberauer (Redakteurin "Woman"), Bernadette Wegenstein (Produzentin, Professorin University at Buffalo), Sonja Wehsely (Wiener Frauenstadträtin) Beate Wimmer Puchinger (Frauengesundheits-Beauftragte der Stadt Wien) ging es unter der Moderation von Eva Weissenberger (ORF) um die Frage, was die medial produzierte Sehnsucht nach einem "besseren" Körper und der zunehmend kosmetische Blick auf den menschlichen Körper bedeuten. Frauenstadträtin Wehsely unterstrich, dass die Zufriedenheit mit dem eigenen Körper in erster Linie Frage eines gesunden Selbstvertrauens sei, das bereits im Mädchenalter gestärkt werden müsse.

Hilfestellung

Wien biete dafür verschiedene Beratungseinrichtungen, wie zum Beispiel das "Mädchentelefon" oder Anlaufstellen für Mädchen und Frauen mit Essstörungen. Auch eine neue Broschüre wurde nun vom Wiener Programm für Frauengesundheit, FSW herausgegeben: "Selbst ist die Frau: Schönheit um jeden Preis?". Frauen werden mit dieser Broschüre ermutigt, Fragen zu Schönheitsoperationen zu stellen sowie auf ihre Gesundheit und ihre Patientinnen-Rechte zu achten.

Selbstbewusstsein stärken

"Es muss mit viel Feingefühl auf das Thema eingegangen werden, oft fungiert eine Schönheitsoperation auch als Ersatzhandlung für ein anderes Problem im Leben", stellte Wehsely fest. Daher müsse man auch erörtern, woher der starke Druck kommt, dem sich manche Frauen ausgesetzt fühlen. "Vor allem ist es auch ein Geschäft - und für manche Teile der Gesellschaft ist es wohl praktisch, wenn sich Frauen in erster Linie über ihr Äußeres Gedanken machen, weil sie dann weniger Zeit haben, über andere Dinge nachzudenken", so die Frauenstadträtin.

Wehsely betonte abschließend, dass es nicht um Missionierung gehe, da jede Frau selbst über ihren Körper entscheiden müsse. Es sei aber wichtig, "Mädchen und Frauen in ihrer Individualität zu unterstützen, damit sie zu sich selbst stehen können". (red)

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