Rewe Austria stärkt heimische Produkte

5. Juli 2006, 14:02
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Zusammenarbeit mit österreichischer Land­wirtschaft soll weiter ausgebaut werden - Vorstand: Hohe Qualität hat ihren Preis

Wien - Die Rewe Group Austria, mit ihren Ketten Billa und Merkur Nummer eins im heimischen Lebensmittelhandel, will die Zusammenarbeit mit der österreichischen Landwirtschaft ausbauen. "Wir können die Globalisierung nicht verhindern, aber wir können mit einem Schwerpunkt auf Regionalität und Lokalität den heimischen Bauern Stabilität geben", sagte Frank Hensel, Vorstandsmitglied bei Rewe Austria, bei einem Vortrag des Ökosozialen Forums Österreich. "Wo immer es geht, werden wir österreichischen Produkten den Vorzug geben", versprach er.

Der Lebensmittelhandel in Österreich sei geprägt von der Nähe zum Kunden. Voraussetzung dafür sei eine funktionierende Wertschöpfungskette, betonte Hensel, der Rewe Austria nicht zuletzt auf Grund seiner Marktführerschaft - laut ACNielsen liegt der Marktanteil im Lebensmittelhandel bei 38,5 Prozent - als "starken Nahversorger" in Österreich sieht: Auf eine Filiale kommen 4.200 Einwohner. Täglich kaufen 1,2 bis 1,3 Millionen Kunden bei einem der Rewe-Märkte ein.

Markt in Bewegung

Dass Rewe schon jetzt ein wichtiger Partner für die heimischen Bauern sei, zeigten zahlreiche Kooperationen wie "Premium Rind", die Merkur Regional-Initiative oder die Zusammenarbeit im Bio-Bereich ("Ja!Natürlich"), die bereits mehr als 600 Produkte umfasst und einen Umsatz von 200 Millionen Euro generiert, hieß es. Vor allem hier sieht Hensel die Notwendigkeit, "noch mehr mit den Biobauern zu kommunizieren". Der Markt sei derzeit in Bewegung, den Kunden müsse ein Mehrwert verkauft werden, sagte er.

Derzeit liefern rund 2.000 heimische Bauern ihre Produkte an Rewe. So werden 40.000 Rinder und 300.000 Schweine, 195 Millionen Eier und 90 Millionen Liter Trinkmilch - laut Rewe zu 100 Prozent aus heimischer Produktion - jedes Jahr in den Supermärkten von Rewe Austria verkauft. Für Brot und Backwaren bei Billa und Merkur seien 5.000 Fußballfelder Weizen und Roggen pro Jahr notwendig, erläuterte Hensel die enge Partnerschaft mit den Bauern.

Kooperation mit AMA

"Wir werden der Qualität oberste Priorität einräumen", sagte der neue Rewe Austria-Vorstand, "denn dazu gibt es keine Alternative. Sonst gibt es nur noch den Preis, und das geht zu Lasten der Qualität". Um die Qualitätssicherungsprogramme bei Rewe noch effizienter zu gestalten, habe man sich im Vorjahr zu einer Kooperation mit der Agrarmarkt Austria (AMA) entschieden - "Wir sind lernfähig", so Hensel. Die Zusammenarbeit laufe derzeit bei Obst & Gemüse, bei Eiern und Geflügel sei das AMA-Gütesiegel in Planung.

Gespräche über eine Kooperation im Fleisch-Bereich, wie die Bauernhofgarantie von Rewe in das AMA-System eingebracht werden können, seien im Laufen, so Hensel. Derzeit befasse sich eine Arbeitsgruppe mit diesem Thema, eine Kooperation werde noch heuer angestrebt.

Kritik an Tiefstpreis-Wettbewerb

Kritik übte der Rewe-Vorstand an dem im Handel immer häufiger anzutreffenden Tiefstpreis-Wettbewerb: "Der Preis bleibt für uns weiterhin wichtig, weil wir uns in einem harten Konkurrenzkampf befinden, aber er kann und darf nicht das alleinige Kriterium sein. Qualität hat auch ihren Preis, der höhere Preis muss allerdings für den Konsumenten nachvollziehbar sein", sagte Hensel.

Der Generalsekretär der Landwirtschaftskammer Österreich, August Astl, wertete die Aussagen von Hensel als "positives Signal für eine verstärkte Kooperation von Rewe mit der österreichischen Landwirtschaft". Er hoffe, "dass hier in den nächsten Wochen und Monaten weitere substanzielle Forstschritte erzielt werden". Der Handel sei für die Bauern ein besonders wichtiger Partner.

Die Rewe Group Austria erzielte in Österreich 2005 einen Gesamtumsatz von 8,23 Milliarden Euro (+5,3 Prozent). Davon entfielen rund fünf Milliarden Euro auf Österreich, 1,9 Milliarden Euro auf Italien und 1,3 Milliarden Euro auf Osteuropa. Insgesamt werden 52.300 Mitarbeiter beschäftigt, davon 32.000 in Österreich. Im Jahr 2005 umfasste das Filialnetz in Österreich 1.907 Standorte, wovon 1.382 auf den Lebensmittelhandel (Billa, Merkur, Penny) und 525 auf den Drogeriefachhandel (Bipa) entfallen. (APA)

  • Rewe Austria will enger mit der Landwirtschaft kooperieren.
    foto: standard/matthias cremer

    Rewe Austria will enger mit der Landwirtschaft kooperieren.

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