Börsegang "zwölf bis 18 Monate" nach Kapitalerhöhung

26. Juni 2006, 10:03
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Vorstand Kulterer ist optimistisch, die Bank nach den Turbulenzen in ruhigere Gewässer steuern zu können

Klagenfurt - Der Vorstandsdirektor der Hypo Alpe-Adria-Bank (HAAB), Wolfgang Kulterer, ist optimistisch, die Bank nach den Turbulenzen der vergangenen Monate in ruhigere Gewässer steuern zu können. Auch das drohende Amtsenthebungsverfahren der Finanzmarktaufsicht (FMA) schreckt ihn nicht, den Wirbel um die Bilanz 2004 vergleicht er im APA-Gespräch mit einem "Atombombenangriff". Am Börsegang 2007 oder 2008 hält er fest.

Vorstand und der Aufsichtsrat der HAAB sind am Montag bei der Hauptversammlung einstimmig entlastet worden, auch die Kapitalerhöhung um 250 Mio. Euro wurde abgesegnet. Unklar ist vorerst, in welchem Ausmaß der Miteigentümer Grazer Wechselseitige Versicherung (Grawe) Hypo-Anteile abstoßen wird. Das stehe noch nicht fest, sagt Kulterer. In den kommenden Wochen soll es noch Gespräche zwischen Grawe und Land Kärnten über die Abstimmung der Vorgangsweise geben, was die Veräußerung zusätzlicher Anteile der Bank betrifft. Entscheidung wurde noch keine getroffen.

Ausgabe von jungen Aktien

Fix ist hingegen die Ausgabe von jungen Aktien, mit denen 250 Mio. Euro frisches Geld hereinkommen sollen. Kulterer: "Nach Ansicht der HSBC ist damit zu rechnen, dass die Platzierung der Aktien bis Ende September abgewickelt ist, der Börsegang ist etwa zwölf bis 18 Monate später zu erwarten." Damit hat sich an dem Zeitplan für das Going Public nichts geändert.

Zuvor ist aber noch das FMA-Verfahren zu bewältingen. Die Stellungnahme der HAAB zum Sonderprüfungs-Bericht der Nationalbank wird laut Kulterer am 20. Juni erfolgen: "Die Frist wird auch deshalb ausgenützt, weil der Prüfbericht sehr umfangreich ist und es sehr viele Punkte gibt, die einer genauen Analyse bedürfen." Man habe übrigens zwei Beantwortungsfristen zu beachten, die eine mit 20. Juni ist für die Nationalbank, welche die Sonderprüfung durchgeführt hat. "Die zweite ist mit 30. Juni fixiert, da müssen wir eine Stellungnahme an die Finanzmarktaufsicht übermitteln." Dabei geht es offenbar um das Amtsenthebungsverfahren gegen Kulterer und seine Vorstandskollegen Günter Striedinger und Thomas Morgl.

Zuversicht

Kulterer ist nach wie vor davon überzeugt, dass die FMA kein ausreichendes Material in der Hand hat, um seine Enthebung anordnen zu können. So weist er darauf hin, dass die HAAB nach Bekanntwerden der mehr als 300 Millionen Verlust aus Zinsen- und Währungsspekulationen noch im November 2004 eine Sonderprüfung des gesamten Treasury-Bereichs der Bank beim Wirtschaftsprüfer Deloitte beantragt habe. Gefragt, ob diese auch durchgeführt worden sei, meinte er: "Selbstverständlich."

Warum der Hypo-Vorstand im Frühjahr dieses Jahres nach dem Zurückziehen des Testats für die Bilanz 2004 durch Deloitte nicht gleich darauf aufmerksam gemacht hatte, dass die Wirtschaftsprüfer auf Grund der Sonderprüfung bereits damals über alle Vorgänge rund um die Spekulationsverluste informiert gewesen sein müssen, erklärt Kulterer mit einem drastischen Vergleich: "Das war ja wie ein Atombombenangriff, da sind uns pausenlos nur die Trümmer um die Ohren geflogen." Man habe daher gar nicht die Zeit gehabt, sämtliche Details sofort zu überprüfen. Erst nachdem sich der erste Wirbel ein wenig gelegt hätte, sei man daran gegangen, die eigene Position zu überprüfen und den massiven Vorwürfen zu begegnen.

Kein Konnex mit der Bawag-Situation

Spekulationen, wonach die HAAB in ihrer Bilanz eine ähnliche Vorgangsweise wie die BAWAG gewählt habe und so genanntes Besserungskapital von anderen Bankinstituten - bei der BAWAG handelt es sich immerhin um 450 Mio. Euro - als Eigenkapital verbucht hat, was in den Büchern unter den Titeln "Jersey 1" und "Jersey 2" versteckt sei, wies Kulterer als "absurd" zurück: "Sie finden in der Bilanz nicht nur die Begriffe Jersey 1 und 2, sondern auch Jersey 3. Dabei handelt es sich um Hybridkapitalanleihen, die völlig normal abgewickelt worden sind." Diese Anleihen seien vor ihrer Begebung der FMA vorgelegt und von dieser abgesegnet worden. Dadurch einen Konnex mit der Situation der BAWAG herstellen zu wollen, bezeichnete der Bankchef als "böswillig". (APA)

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    Wolfgang Kulterer ist nach wie vor davon überzeugt, dass die FMA kein ausreichendes Material in der Hand hat, um seine Enthebung anordnen zu können.

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