Küberl: "Das sind keine Straftäter"

12. Juli 2006, 15:03
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Grazer FP will neuen Standort von Caritas-Heim verhindern

Graz - Weil der Mietvertrag für ein Asylwerberheim der Caritas am Grazer Griesplatz ausläuft, muss das Heim mit rund 130 Männern, (teils schwangeren) Frauen und Kindern bis Mitte Juni geräumt werden. Neben den zehn bestehenden Heimen, in denen die Caritas im Auftrag von Land und Bund Flüchtlinge betreut, soll nun ein weiteres im Grazer Bezirk Puntigam entstehen. Dort werden in mehreren Etappen von Mitte Juli bis September auch 50 Männer, die am Griesplatz lebten, untergebracht werden.

Doch Anrainer machen mit massiver Unterstützung der FPÖ gegen den Plan mobil. Gerhard Kurzmann, Chef der Stadtpartei, schlägt dabei die Töne für den Nationalratswahlkampf seiner Partei an. Er werde der Bevölkerung in Puntigam "in ihrer Not zur Seite stehen", gab er am Montag per Aussendung bekannt. Man befürchte eine "drastische Zunahme der Drogenkriminalität"und sorge sich um "Kinder und Jugendliche (Belästigungen, Vergewaltigungen)".

Streng geregelter Tagesablauf

Wer jene Menschen sind, die im neuen Heim, das im ehemaligen Arbeiterheim einer Baufirma installiert wird, sind, weiß Kurzmann nicht, wie er im Gespräch mit dem Standard zugibt. Caritas-Präsident Franz Küberl weiß es: "Das sind keine Straftäter, da wäre ja die Justiz zuständig, sondern Menschen, die unsere Betreuer schon länger kennen. Sie arbeiten innerhalb des ihnen möglichen gesetzlichen Rahmens als Werbeprospektverteiler, Zeitungsausträger, Megaphon-Verkäufer oder als Reinigungskräfte im Haus der Caritas". Küberl präsentierte auch den streng geregelten Tagesablauf der Heime, der tägliche Deutschkurse, handwerkliche Tätigkeiten, Gartenarbeit und betreute Freizeitaktivitäten enthält.

Argumente, die Kurzmann ignoriert: "Eine multikulturelle Gesellschaft ist immer eine multikriminelle Gesellschaft", pauschalisiert der Politiker.

Die Caritas setzt auf "Ent- ängstigung"der Bevölkerung durch Informationsveranstaltungen und eine Evaluierung nach den ersten Übersiedlungen im Sommer. In Puntigam werden acht Betreuer, davon drei Sozialarbeiter, rund um die Uhr im Einsatz sein. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.6.2006)

von Colette M. Schmidt
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