Tirol: Strittige Steigung im Basistunnel

21. Juni 2006, 08:50
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250 Höhenmeter müssen im Brennertunnel nach derzeitiger Planung überwunden werden - Zu viel, kritisieren die Grünen - Ok, sagen die Planer

Der Grund: der Scheitelpunkt soll direkt unter der Staatsgrenze liegen. Sonst würde "italienisches"Wasser nach Österreich rinnen.


Innsbruck - Es wird bergauf gehen im Brennerbasistunnel, so er tatsächlich gebaut werden sollte. 7,5 Promille würde die Steigung auf österreichischer Seite betragen, lediglich fünf Promille auf italienisch-südtiroler Seite. Keine marginale Differenz, meinen die Tiroler Grünen, gestützt auf die jüngste heftig diskutierte Studie des Wiener Verkehrswissenschafters Sebastian Kummer ("Zur Effizienz von Schieneninfrastrukturvorhaben am Beispiel des Brennerbasistunnels").

Unter mehreren Kritikpunkten am Projekt - Kosten und Bauzeit würden deutlich unterschätzt, die Zuwächse beim Bahntransport am Brenner erheblich überschätzt (der Standard berichtete) -, führt Kummer auch die Scheitelhöhe an. Diese würde mit geplanten 840 Metern Seehöhe. "wesentlich höher"liegen als beim Gotthard-Basistunnel (550 Meter). "Es muss demnach jeder Zug, der die Alpen überquert, beim Brennerbasistunnel um 300 Meter höher gezogen werden als beim Gotthard-Basistunnel", so Kummer, "was insgesamt wesentlich höhere Energieverbräuche und damit in der Folge auch höhere Transportkosten impliziert". Der Brenner würde also seine Spitzenstellung als niedrigster Alpenübergang verlieren.

Höherer Scheitelpunkt

Der Grund für die größere Steigung im Brennertunnel liegt am höheren Scheitelpunkt. Dieser soll direkt unterhalb der österreichisch-italienischen Staatsgrenze errichtet werden, also auf Höhe des Brennerpasses. Rein logistisch würde eine Verlegung des Scheitels auf italienisches Staatsgebiet die durchschnittliche Steigung auf fünf Promille verringern. Allerdings würde dann "italienisches"Wasser aus den Brenner-Quellen Richtung Österreich fließen. Denn ausschlaggebend für die Fixierung des Scheitelpunkts war die Wasserscheide. Von dort aus fließt die Sill Richtung Norden in Inn, Donau und Schwarzes Meer, der Eisack Richtung Süden in Etsch und Adria.

Im italienischen-österreichischen Staatsvertrag zum Bau des Basistunnels ist festgehalten, dass der Besitz an öffentlichen Gütern (also auch an Gewässern) nicht verändert werden darf. Grünen-Klubchef Georg Willi ist dafür, den Scheitelpunkt des Basistunnels zu verschieben, "sollte sich der Tunnel nicht mehr verhindern lassen". Das von Italien beanspruchte Wasser könnte, so Willi, Richtung Italien zurückgeleitet werden.

"Es hat eingehende Dikussionen über den Scheitel gegeben", sagt Verkehrslandesrat Hans Lindenberger. Die flachere Variante rentiere sich nicht: "Der technische Aufwand für eine Rückleitung des Wassers wäre zu hoch". (Benedikt Sauer, DER STANDARD-Printausgabe, 13.06.2006)

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