Offener Brief von Josef Broukal

25. Juli 2006, 14:32
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Medizin-Uni-Graz soll Entscheidung überdenken

In einem offenen Brief fordert der SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal den Rektor der Medizinischen Universität Graz, Gerhard Franz Walter und den Vizerektor, Gilbert Reibnegger auf, ihre Entscheidung und die Reaktion auf die Klage eines Studierenden zu überdenken.

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"Sehr geehrte Herr Rektor! Sehr geehrter Herr Vizerektor!

Die Medizinische Universität Graz hat nach wie vor zu wenige Ressourcen, um allen Studierenden ein zügiges Fortkommen zu ermöglichen. Die MUG sieht sich daher offenbar außerstande, dem Auftrag des Universitätsgesetzes 2002 (§54 Abs.8) nachzukommen: ...dass den bei einer Anmeldung [zu einer Lehrveranstaltung mit beschränkter Teilnehmerzahl] zurückgestellten Studierenden daraus keine Verlängerung der Studienzeit erwächst. Im Bedarfsfall sind überdies Parallellehrveranstaltungen, allenfalls auch während der sonst lehrveranstaltungsfreien Zeit, anzubieten.

Jetzt hat ein Studierender sein Recht eingeklagt, zügig studieren zu können und Verdienstentgang verlangt. Offenbar gibt es neben dem Kläger eine ganze Reihe weiterer Studierender, denen die MUG wegen fehlender Ressourcen eine Verlängerung der Studienzeit zumuten muss. Jedenfalls hat die MUG einen für die Unterstützung von Praktika an ausländischen Krankenhäusern gewidmeten Betrag von EUR 85.000 als Rückstellung für das Klagsrisiko eingefroren. Gleichzeitig wurde Interessenten an den Auslandspraktika per E-Mail mitgeteilt, sie sollten auf den studentischen Kläger einwirken. Wenn dieser seine Klage zurückzöge, würden die Famulaturunterstützungen wieder ausbezahlt.

Das ist nicht gerade die feine englische Art. Es ist eine willkürliche Verknüpfung von in keiner Weise miteinander in Beziehung stehenden Dingen, verbunden mit enormem Druck auf den klagenden Studierenden. Eine Reihe von Studierenden hat überdies Auslandspraktika im Vertrauen auf die in Aussicht gestellten Unterstützungszahlungen vorfinanziert und auch bereits absolviert. Diese Studierenden haben Kredite aufgenommen und Konten überzogen. Sie müssen jetzt damit rechnen, die Kosten für den Auslandsaufenthalt voll selbst tragen zu müssen.

Ich ersuche Sie, Ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken und Praktika im Ausland weiter zu unterstützen. Zumindest aber sollten Sie jenen Studierenden gegenüber zu Ihrem Wort stehen, die im Vertrauen auf die Zusage der MUG ihre Auslandsaufenthalte vorfinanziert haben.

Mit freundlichen Grüßen, Josef Broukal"

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