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28. Juli 2006, 16:33
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Bei Voting-Bewerben geht es immer auch um die treueste Fangemeinde

Vier Bands, aber nur eine Sieger-Seite im STANDARD. Drei zuviel – aber das ist eben das Wesen von Wettbewerben: Die Userinnen und User von derStandard.at hatten im Rahmen des "Vote.IT"-Projektes vier von einer Jury (vor)ausgewählte Bands zur Auswahl – und dass da jede der Finalbands sämtliche Freunde und Bekannte zum Abstimmen animieren würde, war klar.

Doch was anfangs nach fairem und sportlichem Wettstreit aussah, schlug nach den ersten paar hundert Stimmen auf der "Vote.IT"-Seite schlagartig um. Plötzlich, so schien es, hatten manche Bands eine Fancommunity wie Robbie Williams: Innerhalb von Stunden schnalzten "Votes" lustig und dreistellig nach oben. Nicht nur einmal.

Dass es da nicht ganz mit (ge)rechten Dingen zugehen konnte, erkannten auch die Poster auf derStandard.at: "Da wird beschissen nach Strich und Faden." Das stimmte nicht ganz – und "besch...en" ist in jedem Fall ein zu hartes Wort: Das Votingtool auf derStandard.at "markiert" Rechner, von denen aus bereits abgestimmt worden ist, mit einem so genannten "Cookie". Klickt der User aber auf "Cookies löschen" und aktualisiert die Website, kann er noch einmal abstimmen. Und das Spiel lässt sich natürlich beliebig oft wiederholen.

Undemokratisch?

Undemokratisch? Ansichtssache. "Starmania", "Songcontest" und Co funktionieren nach demselben Muster: Wer bereit ist, hunderte (kostenpflichtige) SMS zu schicken, schiebt seinen Kandidaten an die Spitze. Dennoch hagelte es Beschwerden. Eine kam vom – erraten – PBH Club: Der spätere Sieger nannte das System "wirklich unfair". Freilich lag man da gerade selbst nicht an der Spitze.

Nur aus Jux und Tollerei, erklärt Klaus Weinmaier von derStandard.at habe man sich aber nicht für diese "anfällige" Abstimmungsmethode entschieden: "Ein absolut sicheres Voting-Tool ist technisch nicht sinnvoll umsetzbar, da dies nur IP-basierend (eine Art Rechner- oder Netzwerkkennung; Anm.) möglich wäre. Das würde aber etwa alle Chello- oder AOL-Nutzer vom Voting ausschließen, da diese Provider ihren Kunden keine eigenen IPs zur Verfügung stellen und alle mit einer einzigen IP im Netz unterwegs sind."

Auf Nicht-Internet- Deutsch: Es könnte immer nur der erste User-Kunde solcher großer Netzanbieter an der Umfrage teilnehmen – was noch weniger akzeptabel scheint. Und da die Schwäche des Systems ohnehin in den Postings auf der "Vote.IT"- Seite ausführlich beschrieben wurde, galten wieder für alle die gleichen (wenn auch seltsamen) Bedingungen: Was zählte, war der Einsatz der Fans.

Und PBH Club verfügen – scheint's – über genug "Human Ressources": Knapp eine Stunde vor Ende des Votings holte man mehr als tausend Stimmen auf – und gewann. (DER STANDARD Printausgabe, 13. Juni 2006)

Von Sophie Reinhart und Sonja Scheidl
  • Artikelbild
    foto: christian fischer
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