Herzblut, Talent und Überzeugung

28. Juli 2006, 16:33
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Auch Ruhm braucht mehr als nur ein Marketingkonzept

Früher lautete die Antwort "Feuerwehrmann" – aber heute kommt auf "Was willst du einmal werden?" immer öfter einfach nur "berühmt." Oder in der Langfassung: "Ich möchte einmal ein Star werden."

Bloß: "Star" – oder auch einfach nur "Promi" – ist kein Lehrberuf. Oder gibt es sie doch, die Anleitung, wie man vom Durchschnittsbürger zur berühmten Persönlichkeit wird?

"Vote.IT" hat sich deshalb an Andreas Ebhart gewandt. Der Mödlinger ist Medien^coach für Manager und Politiker. Aber da bei seiner Klientel alles "authentisch", "echt" und "natürlich" wirken soll, gehört es zum Prinzip, nicht zu verraten, wer da aller schon durch Ebharts Schule ging. Aber auch das – Coaching an sich nämlich – könnte ja schon als erster Tipp gelten.

Um als junger Mensch als Pop-Star Furore zu machen, genügt das aber nicht, erklärt Ebhart. Er sei schließlich kein Zauberer: "Ein Coach kann keine Leitern bauen, wo keine sind – er kann nur helfen, mit offenen Augen auf Leitern zu steigen. Oder auch in Gruben. Auf jedem Lebensweg gibt es beides." Das heißt also, setzt Ebhart fort, sich zuerst einmal ein realistisches Bild über die eigenen Fähigkeiten zu machen – und sich anhand derer dann auch über die Motive, die einen bewegen, Klarheit zu verschaffen: "Kennt man diese drei Dinge, reicht es, ganz einfach sein Ding zu machen." So einfach? So einfach: Christina Stürmer war irgendwann einmal eine kleine, für die große Welt unbedeutende Buchhändlerin – der Rest ist bekannt.

Dass es in der Pop- und Glitzerwelt nur leuchtet, wo man auch große Scheinwerfer – sprich massive PR- und Marketingkampagnen – draufrichtet, und Styling, Aussehen, Positionierung und Auftreten weit wichtiger scheinen als tatsächliches Talent oder Können, will Ebhart so nicht bestätigen: Es käme sehr wohl auf das mitgebrachte Talent an – und zwar "zu etwa 95 Prozent. Nur fünf Prozent des Erfolges macht schlussendlich das Vermarktungskonzept aus. Jeder Versuch, dieses Verhältnis umzudrehen, hinterlässt Blutflecken oder weiße Nasen."

Talent zählt also durchaus – oder aber die Idee und die Gefühle, die man transportiert: Streng nach Musiklehrer-Kriterien wären etwa die Gitarristen der Rolling Stones ziemlich schlechte Musiker. Aber daran, dass ihre Musik bahnbrechend war und auch nach Jahrzehnten immer noch die größten Stadien füllt, zweifelt dennoch niemand.

Für Ebhart lässt sich das – auch – unter dem Begriff "Überzeugung von der eigenen Botschaft " zusammenfassen. Und dem Willen, sein Ding durchzuziehen. Mit ganzem Herzen und allen Kon^sequenzen: Denn ein paar Nachteile hat das Leben im Schweinwerferlicht auch – etwa den, dass man sich nicht immer aussuchen kann, wann der Spot einen voll anstrahlt.

Für ihn, den Coach, sagt Andreas Ebhart, gibt es daher ein ganz einfaches Kriterium, an dem er erkennt, ob seine Arbeit bei einem von ihm betreuten Menschen Früchte getragen hat: "Wenn Kunden nach unserer gemeinsamen Arbeit öfter lachen als vorher." (DER STANDARD Printausgabe, 13. Juni 2006)

Von Ines Kostera
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