Hauptsache Glaubwürdigkeit

28. Juli 2006, 16:33
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Marketing ist ein wesentlicher Faktor in der Musikindustrie - "Ganz ohne Talent geht es nicht", betonen aber Experten

Erfolg kann man nicht kaufen – aber man kann sein Eintreten durch einige Maßnahmen begünstigen: Ganz ohne Talent, betonen Musikexperten, gehe es zwar nicht – aber Image-Arbeit und das Wissen, wann man welche Märkte wie bedient, sind wichtige Faktoren auf dem Weg in die Charts.

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"Zuerst: Eine Vision haben. Dann: Ziele setzen. Sind diese Ziele erreicht, verbuche ich das als Erfolg", sagt Bernd Rengelshausen. Er muss wissen, wovon er spricht, ist er doch Manager von Österreichs Musikexport Nummer eins: Christina Stürmer.

Stürmer hat Rengelshausens Ratschläge befolgt, immer an sich selbst geglaubt und ein klares Ziel vor Augen gehabt: Sie ist ihren Idealen treu geblieben und hat ihr Publikum von sich und ihrer Musik überzeugen können, referiert der Manager.

So weit, so gut – aber: Wie wird man erfolgreich? Hannes Eder, Chef von Universal Music Austria, Monika Eigensperger, Geschäftsführerin von FM4, und Bernd Rengelshausen, wie oben erwähnt Stürmers Manager, haben dazu ziemlich unterschiedliche Meinungen und Zugänge.

Laut Eigensperger lässt sich Erfolg in zwei Kategorien einteilen. Einerseits sei da die kommerzielle Seite. Messbar an Plattenverkäufen oder Chartplatzierungen. Vor allem Plattenlabels messen ihre Künstler an dieser Latte – schließlich ist ein Musiker in der Bilanz ein Produkt, das sich rechnen muss: Platten- und Downloadverkäufen stehen Produktions-, Marketing- und Werbungskosten gegenüber. Erstaunliches Detail am Rande: Robbie Williams wäre nach dieser Erfolgs-Lesart ein "Flop" – zumindest so lange, bis er auch die USA erobert hat, wirft Plattenfirmenboss Eder ein.

Den nüchternen Zahlen gegenüber steht aber die "ideelle" Komponente: Also Rengelshausens Diktum von gesetzten und erreichten Zielen. Und hier sind dann auch im kommerziellen Pop-Business immer noch sehr individuelle Erfolgsdefinitionen zulässig.

Die Frage, ob es eine allgemein gültige Strategie, um erfolgreich zu werden oder zu bleiben, gibt, beantwortet das allerdings auch nicht. Allerdings sind sich die Pop-Experten hier in einem – logischen – Punkt einig: Das Um und Auf ist Akzeptanz beim Publikum. Dafür brauche es Talent – und handwerkliche Fähigkeiten.

Darüber hinaus, so Rengelshausen, müsse, "um langfristig erfolgreich zu sein, ein starkes und glaubwürdiges Profil des Künstlers aufgebaut werden". Wichtig sei, dass "sich die Persönlichkeit des Musikers nicht verändert oder gar unecht und aufgesetzt wirkt: Denn Hörer lassen sich auf Dauer nicht täuschen." Und wer sich gefoppt fühlt, setzt Eder fort, kauft nämlich nicht: "Diese Entscheidung trifft jeder Fan von Album zu Album aufs Neue."

Dass Christina Stürmer mittlerweile auch Deutschland "abräumt", sei daher das Resultat langer, konsequenter und harter Arbeit daheim: Voraussetzung für eine internationale Success-Story sei immer der Erfolg auf nationaler Ebene – denn ohne heimische Erfolgsgeschichte kann auch ein guter Künstler am globalen Markt nicht positioniert werden. Obwohl doch nur das Talent zählt. (DER STANDARD Printausgabe, 13. Juni 2006)

Von Nicoletta-Maria Niel und Katharina Stampfer
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