"ORF-Lexikon" belastet Brockhaus-Ergebnis in Millionenhöhe

4. Juli 2006, 22:16
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Verlag rutscht nach Österreich-Fehlschlag ins Minus - ORF sieht "Erwartungen erfüllt"

Ein Fehlschlag in Österreich und das Gezerre um die Rechtschreibreform haben dem Brockhaus-Verlag im vergangenen Jahr die Bilanz verhagelt. Wie die Bibliographisches Institut & F.A Brockhaus AG ("Brockhaus", "Duden") berichtete, schlägt für 2005 im Konzern ein Fehlbetrag von knapp 6 Millionen Euro zu Buche. Im Jahr zuvor war noch ein Überschuss von 1,2 Mio. Euro erwirtschaftet worden. Vorstandssprecher Alexander Bob gab aber einen positiven Ausblick. Das Unternehmen sei "strategisch gut aufgestellt".

"Schmerzhafte Erfahrung"

Der Versuch, in Österreich in Kooperation mit dem ORF eine Lexikonserie an den Mann zu bringen, belastete das Ergebnis laut Bob mit einer siebenstelligen Summe. Der Vorstandssprecher sprach von einer "schmerzhaften Erfahrung".

Der Absatz des Duden sei 2005 wegen der Diskussion um die Rechtschreibreform zunächst deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben, erst eine verbilligte Jubiläumsabgabe kurbelte den Verkauf an.

Der Verlag verwies außerdem auf hohe Kosten im Zusammenhang mit der im vergangenen Jahr erschienenen 21. Brockhaus Enzyklopädie. Die Verkaufszahlen lägen bisher etwa 20 Prozent über denen der vorigen Auflage, sagte Bob.

Der Konzernumsatz stieg im Vergleich zu 2004 von 76,7 auf 82,2 Mio. Euro. Die AG konnte bei ebenfalls steigendem Umsatz einen kleinen Überschuss ausweisen. Das Unternehmen zahlt seinen Aktionären keine Dividende. Bob kündigte für das laufende Jahr wieder "einen nennenswerten Gewinn" an. Der Verlag ist auch stark im Geschäft mit Kalendern engagiert und bringt außerdem künftig die deutsche Ausgabe des "Guinnessbuch der Weltrekorde" heraus.

"Unsere Erwartungen haben sich erfüllt"

Im Gegensatz zum Brockhaus-Verlag, zeigt sich der Kooperationspartner ORF dagegen zufrieden. "Unsere Erwartungen haben sich erfüllt", sagte der Kaufmännische Direktor Alexander Wrabetz am Dienstag im Gespräch mit der APA. Derzeit halte das 20-bändige "ORF-Lexikon für Österreich" bei rund 20.000 verkauften Ausgaben, was insgesamt 400.000 Exemplaren entspräche.

"Wir betrachten das als Erfolg", hielt Wrabetz fest. Gemessen am österreichischen Buchmarkt handle es sich da schon um ein "großes Buchprojekt", das nach wie vor am Markt sei und sich auch im Vergleich zu deutschen Größenordnungen gut gehalten habe. Für den ORF auch nicht unwichtig: "Wir haben kein Geld verloren, unsere Kosten sind gedeckt. Und in vielen österreichischen Haushalten steht jetzt ein sehr schönes Lexikon mit dem ORF-Logo am Buchrücken."(APA/dpa)

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