"Objekte ein bisschen schönreden"

17. August 2006, 13:02
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Nach der Fusion mit dem Facility-Management-Consulter FaciCon will Interpool, einer der führenden Gewerbeimmobilienmakler Wiens, die Maklerbranche neu aufmischen

Nach der Fusion mit dem Facility-Management-Consulter FaciCon will Interpool, einer der führenden Gewerbeimmobilienmakler Wiens, die Maklerbranche neu aufmischen. Im STANDARD-Gespräch erklärt Interpool-CEO Bernhard Stolberg die Hintergründe.

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STANDARD: Warum haben Sie sich mit FaciCon zusammengeschlossen?

Bernhard Stolberg: Ich habe schon länger über eine strategische Neupositionierung unseres Unternehmens nachgedacht, weil absehbar ist, dass sich der Markt deutlich verändern wird.

STANDARD: Wie definieren Sie sich nach der Fusion jetzt selbst?

Stolberg: Wir verstehen uns als Immobilienberater …

STANDARD: … also noch ein Consulter mehr?

Stolberg: Nein. Wir sind viel operativer tätig als Berater und betreiben das Geschäft auch viel ganzheitlicher. Aber wir stehen auch für Nachvollziehbarkeit und Transparenz …

STANDARD: … die Sie in der derzeitigen Maklerlandschaft nicht sehen?

Stolberg: Ganz offen gestanden: Bei vielen Maklern wird eher nach dem Prinzip "im Trüben ist gut fischen" gearbeitet. Gäbe es für Maklerdienstleistungen von den Auftraggebern klare Ausschreibungen wie beispielsweise bei Büromöbeln, würden wohl 80 Prozent der Anbieter mangels Nachvollziehbarkeit ihres Angebotes schon im Vorfeld rausfliegen.

STANDARD: Das hört sich an, als ob Sie eine große Distanz zu Ihren Mitbewerbern hätten.

Stolberg: An sich nicht, wir arbeiten mit einigen anderen Maklern, die wir zu den 20 Prozent guten und transparenten zählen, auch sehr gerne und offen zusammen. Und ich sehe einfach eine Veränderung am Markt hin zu mehr Ehrlichkeit und Nachvollziehbarkeit und hin zu mehr transparenter Dienstleistung.

STANDARD: Das sagt aber jeder Makler von sich.

Stolberg: Mag sein, aber in Wahrheit verhindert schon allein das heutige System ein mehr an Consulting. Jeder Makler ist im Grunde verkaufsorientiert, weil er möglichst rasch einen Verkaufserfolg und damit eine Provision erzielen will und muss. Da ist man schnell mit Begriffen wie "ideale Lage" oder "perfekter Grundriss" bei der Hand.

STANDARD: Der Käufer ist ja auch noch da, um das zu hinterfragen.

Stolberg: Bei Käufern, die die Ankaufentscheidung für einen Fonds oder eine Immobilien-Anlagegesellschaft treffen, spürt man oft den Veranlagungsdruck, den manche Immobiliengesellschaften haben. Ich behaupte, dass dieser Druck einen schon dazu verleiten kann, das in Rede stehende Objekt ein bisschen schön zu reden.

STANDARD: Das ist aber ein harter Vorwurf an die Investoren.

Stolberg: Nein, das ist kein Vorwurf, ich zeige nur eine theoretische Gefahr auf. Tatsächlich ist es ja so, dass sich Investoren natürlich die bestehenden Mietverträge samt deren Laufzeiten ansehen, das Objekt selber wird aber schon weit weniger evaluiert. Da ergibt es dann insbesondere für Ortsunkundige, beispielsweise für Investoren aus dem Ausland, durchaus Sinn, sich eine zweite Meinung zu holen, die nicht provisionsgetrieben ist. Und genau solche Angebote werden am Markt entstehen. Wir sind eben jetzt einer der ersten, die das professionell und gezielt anbieten. Eine zweite, professionelle Meinung einzuholen, hat aber auch für Eigennutzer und potenzielle Mieter Sinn.

STANDARD: Das klingt nach einem Bedarf, den Sie wohl erst wecken müssen.

Stolberg: Diesen Bedarf haben unsere Kunden schon erkannt. Wir haben bereits erste Aufträge in diesem Bereich.

STANDARD: Wie rechnen Sie ab, wohl nicht mit Provision?

Stolberg: Solche Beratungsaufträge werden auf Basis von Beratertagsätzen verrechnet. Wenn wir aber mit der Vermittlung von Immobilien beauftragt werden, berechnen wir, wie eben marktüblich, erfolgsabhängige Provisionen.

STANDARD: Dann zählen aber auch Sie zu den abschlussorientierten Maklern.

Stolberg: Ich würde eher sagen transaktionsorientiert, wobei wir bei allen Transaktionen unsere gesamte Beratungskompetenz einbringen. Trotzdem sollten Investoren eine zweite Meinung hören. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10./11.6.2006)

Das Gespräch führte Gerhard Rodler.

Link

www.interpool.at
  • Bernhard Stolberg, CEO von Interpool.
    foto: interpool

    Bernhard Stolberg, CEO von Interpool.

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