Experten: Bank geht rasch an Ausländer

22. Juni 2006, 19:56
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Szenario von Finanzexperten: Verkauf der Gewerschaftsbank zu einem günstigen Preis an ausländischen Investor

In Bilanz 2005 voll aktivierte Bundesgarantie erlischt bei Verkauf der Gewerkschaftsbank Wien - Finanzexperten sind in Österreich übereinstimmend der Auffassung, dass der ÖGB seine angeschlagene Bank Bawag extrem rasch verkaufen muss, weit vor dem im Garantiegesetz vorgesehenen Termin Sommer 2007. Und voraussichtlich werde sie an einen Ausländer gehen, und voraussichtlich werde dieser nicht besonders viel zahlen, wenn er erst einmal Einblick in die tatsächliche Eigenkapitallage habe.

Klar sei auch, dass die Bawag nach Rückgabe der leihweise bereit gestellten Kapitalspritze über 450 Millionen Euro eine frische echte Kapitalerhöhung in zumindest ebendieser Höhe nötig haben werde.

Die seit vorigem Dienstag wirksame und in der Bilanz der Bawag für 2005 "in verschiedenen Formen voll aktivierte" Bundeshaftung über 900 Millionen Euro erlischt, wenn die Bank verkauft wird, spätestens aber zum 1. Juli 2007.

Mindestpreise

Letzte Woche hatte ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer erklärt, dass die Haftung des Bundes schlagend werde, wenn der ÖGB für den US-Vergleich der Bawag dazuzahlen müsse. Auch dies hatte die Debatte um "Mindestpreise" beim Bawag-Verkauf neu angeheizt.

Bankexperten schätzen nun, dass mit großer Sicherheit Teile der Bundeshaftung schlagend werden dürften beim Verkauf. Denn mit Erlöschen der Bundeshaftung werden jene Kredite, die mit der Garantie in der Bilanz 2005 "werthaltig" oder "einbringlich" gemacht worden sind, wieder entsprechend weniger wert. Sie müssten abgeschrieben oder durch den Garanten getilgt werden. Schafft die Bank eine solche Wertberichtigung aus eigener Kraft bzw. mit Hilfe des ÖGB auch dann nicht oder ist der neue BAWAG-Eigentümer nicht gewillt, dafür Aufwendungen zu schultern, würde also der Steuerzahler zur Kasse gebeten - wenn der Bund als Bürge zahlt.

Experten verweisen zu Garantiefällen auf das Beispiel der Bank Burgenland, wo das Land jetzt auf Grund seiner Garantie anstelle des umstrittenen Großkreditkunden Hom-Rusch die Kreditforderung der Bank begleicht. Damit ist der Kredit in der Bankbilanz weg. Und der neue Eigentümer Grazer Wechselseitige (Grawe) hat eine von Altlasten befreite Bank gekauft. Im Fall Burgenland ist die Landesgarantie somit schlagend geworden.

Bangen um Jobs bei Österreich-Lösung

In Gewerkschaftskreisen wurde zuletzt ein ausländischer Interessent als Favorit gesehen, denn - würde an einen Ausländer verkauft, so würden wohl nur halb so viele Stellen wegfallen wie bei einem Verkauf an Österreicher, die im Land ohnedies ihre eigenen - in den letzten Jahren praktisch durchwegs gestrafften - Basis-Belegschaften hätten, hieß es. Bei einer österreichischen Lösung - mit oder ohne Filetierung - bangen Bank-Mitarbeiter bei der Bawag P.S.K. um bis zur Hälfte der jetzigen Jobs.

Bei einer "österreichischen Lösung" wurden zuletzt schon Zerschlagungsphantasien gewälzt. Und den Namen Bawag würde von den Österreichern ohnedies niemand mehr weiter führen, weil er so beschädigt sei, verlautet am Finanzplatz. (APA)

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