Mick Hucknall: "Wir müssen diesen Idioten Bush loswerden"

12. Juni 2006, 13:26
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Der Simply Red-Sänger über die schlechte Umweltpolitik von George Bush und die Umweltfreundlichkeit von Downloads - Bei der Musik macht er nun "mehr Tempo"

Wien - Ihre Shows sind eine Abfolge an Hits, wie sie in dieser Anzahl nur wenige Bands aufweisen können. Und im Sommer werden sich Simply Red bei ihren zwei Österreich-Konzerten (Salzburgarena am 11. 7., Hauptplatz Leoben am 4. 8.) auf ihre Stärken besinnen: Rockiger Soul erwarte die Fans, und im Gegensatz zur letzten Konzertserie mit Orchester diesmal "mehr Beat, mehr Improvisation, mehr Freiheit", wie Sänger Mick Hucknall versprach. "Meine Musiker sagten: Das mit dem Orchester war ein tolles Projekt. Aber wir machen das nicht noch einmal."

Simply Red macht "mehr Tempo"

Auf ihre anstehende Sommer-Tour wollten der Brite und seine Band eigentlich schon mit dem kommenden Album "Amplified" im Gepäck gehen - doch der Nachfolger von "Simplified", der klanglich "das Gegenteil" sein soll, ist noch nicht fertig und erscheint nun erst 2007. Im Juli kommt jedoch noch eine Single auf den Markt, und auch die Live-Shows werden zeigen, wie das neue Album sein wird: Nämlich fetziger. "Es ist gut, ein bisschen mehr Tempo zu machen", freut sich Hucknall.

Hybridautofahrer

Den Neo-Weinbauern, der auf Sizilien ein Weingut besitzt, beschäftigt abseits von Musik und Fußball die Umweltzerstörung: "Wir sind echt in Schwierigkeiten! Wir müssen jetzt handeln. Und wir müssen diesen Idioten George Bush loswerden und jemanden finden, der wirklich etwas tut. Dieser Typ ist ein gefährlicher Narr", so Hucknall, der selbst mit gutem Beispiel vorangeht: Er fährt ein Hybridauto und widmet der Mülltrennung viel Aufmerksamkeit, schilderte der Sänger. "Wie wollen wir unseren Enkeln erklären: 'Ach übrigens: In 30 Jahren liegen London, Amsterdam und New York unter Wasser - und andererseits werdet ihr in manchen Gegenden Schwierigkeiten haben, Wasser zu finden.' Das ist kein Hippie-Vollwert-Grünen-Argument mehr. Das passiert wirklich."

Und auch die Musikindustrie könnte etwas beitragen: Der Trend zum Musikdownload sei eine "gute Revolution", allein der Umwelt wegen. "Wir verschwenden keine Energie, um CDs und ihre Plastik-Hüllen zu erzeugen. Musik auf den Computer herunterladen zu können ist so sauber. Das ist die Zukunft. Wenn ich könnte, würde ich gar keine CDs mehr veröffentlichen, sondern nur noch Downloads. CDs und DVDs werden verschwinden - und ich werde glücklich sein darüber."

Politische Position zum Irakkrieg überdacht

Hucknall, der vor dem Irakkrieg die britische und amerikanische Position befürwortete und scharfe Kritik an Frankreich und Deutschland übte, hat seine Einstellung dazu inzwischen gewandelt - und übt auch hierbei Kritik am US-Präsidenten: "Ich war sehr dafür, Saddam Hussein loszuwerden. Er war ein Tier. Aber es gibt bestimmte Methoden und Wege, einen Krieg zu führen. Man muss nicht hineingehen wie John Wayne. Man hätte zuerst in Afghanistan alles regeln müssen, bevor man eine weitere Kriegsfront beginnt." Werden sich die neu aufgeflammten Probleme im Nahen Osten und in Bezug auf die Umwelt lösen lassen? "Ich bin von Natur aus optimistisch - aber nicht, solange wir immer noch diesen Idioten im Weißen Haus haben."

Seit 22 Jahren sorgen Simply Red abseits der Weltgeschichte jedenfalls für Hits von "Money's Too Tight to Mention" bis "Sunrise" und volle Konzerte. Ein Grund dafür sei, "dass ich morgens aufwache und nicht in einer Rockband bin. Ich bin kein Sklave einer bestimmten Musikrichtung. Unsere Fans wissen nicht, was wir als Nächstes tun werden. Das hält es frisch. Und die Melodien - gute Melodien werden nie unmodisch. Und das war ein tolles Tor." (APA)

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    Hucknall über George Bush: "Der Typ ist ein gefährlicher Narr".

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