"Frauen müssen um ihre Rechte wissen"

8. Juni 2000, 22:06

Ringen um Abschlussdokument der New Yorker Konferenz

"Menschenrechtsverletzungen und starke Unterentwicklung verbinden sich oft zu einer besonders schändlichen Form von Gewalt gegen Frauen - etwa das Verbrechen des Mädchenhandels für sexuelle Ausbeutung. Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration ergeben, dass jährlich etwa 500.000 Frauen aus Zentral- und Osteuropa verschleppt werden, viele durch mein eigenes Land", erklärte die Leiterin der österreichischen Delegation, Botschafterin Irene Freudenschuss-Reichl, Mittwochabend vor der UNO-Sondergeneralversammlung zum Thema "Frauen 2000" in New York. Auch HIV/AIDS stellten ein großes Problem dar: "Es ist meine feste Hoffnung, dass wir hier neuen Boden erschließen können", sagte die Botschafterin. Sozialministerin Elisabeth Sickl (FPÖ), die auch für Frauenangelegenheiten zuständig ist, war aus Termingründen nicht nach New York gefahren.

Eine Voraussetzung für die Bekämpfung von Menschenrechtsverletzungen, so Freudenschuss-Reichl, sei jedoch, dass die gefährdeten Frauen überhaupt von der Existenz dieser Menschenrechte informiert seien: "Menschenrechtserziehung und rechtliches Wissen sind daher unerhört wichtig."

Freudenschuss-Reichl zeigte sich im Gespräch mit dem Standard vorsichtig optimistisch: "Es handelt sich hier um einen langsamen und zähen Prozess, der ohne diese Konferenzen noch langsamer und noch zäher wäre. Diese internationalen Treffen geben den Frauen die Möglichkeit, sich gegenseitig zu unterstützen, zu ermutigen, Strategien auszutauschen, Netzwerke zu bilden, die Weltöffentlichkeit aufmerksam zu machen und die Politik zumindest während eines kurzen Zeitraumes mit diesen Angelegenheiten zu befassen."

Freudenschuss-Reichl erwartet, dass es in fünf Jahren wieder eine ähnliche Weltkonferenz geben wird wie in Beijing im Jahre 1995 oder die derzeitige in New York.

Frauenrechtlerinnen haben dem Vatikan und mehreren islamischen Staaten indes vorgeworfen, eine Einigung über das Abschlussdokument der New Yorker Konferenz zu blockieren. Abtreibungsgegner machten hingegen westliche Staaten für die schwierigen Verhandlungen verantwortlich. Durch radikale Sprache über sexuelle Rechte und Abtreibung würden sie eine Einigung verzögern. Heute, Freitag, wollen die Delegierten aus mehr als 180 Staaten einen Aktionsplan verabschieden, der die Gleichberechtigung der Frauen beschleunigen soll. (Standard-Korrespondentin Susi Schneider aus New York)

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