Mutiges Eintreten

13. Juni 2006, 07:00
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Kommentar: "Gleichheitsparade" erinnert daran, dass "Homophobie tötet" - Menschenrechte gehen uns alle an

Am Wochenende konnte die "Gleichheitsparade" in Warschau das erste Mal legal stattfinden - ein erster, kleiner Schritt in Richtung Gleichberechtigung von Lesben, Schwulen und Transgender Personen in Polen. Zuvor hatte sich der damalige Bürgermeister und nunmehrige Staatspräsident Lech Kaczynski quergestellt und damit nicht nur die Versammlungsfreiheit unterbunden sondern auch homophoben Kräften im Lande Auftrieb gegeben.

Nach zahlreichen Verboten und gewalttätigen Vorfällen demonstrierten nun Tausende - darunter auch viele junge Familien - gegen Diskriminierung von homosexuellen Menschen im katholisch geprägten Polen. "Homophobie tötet" (so das Plakat an der Spitze des Demonstrationszuges) - das ist weltweit immer wieder und letztlich auch in Europa traurige Realität. Unterstützung vor Ort kam von vielen aus dem Ausland angereisten Sympathisantinnen und Sympathisanten, darunter auch die deutschen Grünen-Politiker/innen Claudia Roth, Renate Künast und Volker Beck.

Menschenrechte

Inzwischen sind die ersten der diesjährigen CSD- und Regenbogen-Paraden über die Bühne gegangen, um weltweit zu zeigen, dass es um lesbischwule Menschenrechte in vielen Ländern keineswegs rosig steht. In knapp 75 Staaten der Welt besteht noch ein Totalverbot einvernehmlicher homosexueller Handlungen unter Erwachsenen (zum Teil mit Todesstrafe als Folge) und in den anderen Staaten sind Lesben und Schwule und ihre Partnerschaften keineswegs Heterosexuellen gleichgestellt sondern werden zumeist benachteiligt. So demonstrierten vergangenes Wochenende zum Beispiel auch in Zürich rund 10.000 Homosexuelle und Transgender Personen für ihre volle gesellschaftliche Akzeptanz.

Einen weit reichenden Schritt hat die Nationalsynode der Schweizer Altkatholiken am Wochenende mit dem Bewusstsein, sich "weit aus dem Fenster zu lehnen", beschlossen. In Hinkunft kann homosexuellen Partnerschaften von der christkatholischen Kirche der Segen erteilt werden. Davon ist die katholische Amtskirche noch weit entfernt und von politischer Seite hat hierzulande ein schweigender Bundeskanzler schon lange die Fenster geschlossen ...

Mut

Die Menschen in Polen, die für Toleranz eintreten, sind mutig - das kann nicht genug betont werden. Sie stehen gewalttätigen Rechten, populistischen und rechtsklerikalen Politiker/innen gegenüber. Durchaus auch etwas ängstlich, wie manche Teilnehmer/innen der Parade Medienvertreter/innen erzählten, machen sie sich für Menschenrechte stark - in einem Land, in dem Bildungsminister Roman Giertych kürzlich einen Fortbildungsleiter wegen "Werbung" für Homosexualität entließ (es ging um die Verbreitung einer Broschüre des Europarates, eines Ratgebers für Lehrer/innen und Mitarbeiter/innen von Jugendorganisationen), einem Land, in dem ein hochrangiges Mitglied der mitregierenden, nationalkatholischen Partei "Liga Polnischer Familien" nach Angaben eines britischen EU-Abgeordneten Prügel für lesbische und schwule Demonstrierende forderte.

Abgeordnete des Europäischen Parlaments werden immer wieder aktiv, wenn es um die Verletzung von Menschenrechten geht. So haben einige Abgeordnete im Mai gefordert, die Europäische Union möge Polen vor Homosexuellen-Feindlichkeit warnen. Trotz der nunmehr erfolgten Genehmigung der Demonstration in Warschau ist die EU aufgefordert, Signale zu setzen und vermehrt auf die rasche Umsetzung demokratischer Grundrechte in den Mitliedsländern zu achten, wenn den jeweiligen Politiker/innen der Wille dazu fehlt - denn wie Volker Beck richtig unterstrichen hat, ist es die Sache aller Europäer/innen. (dy)

13.06.2006
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    Bei der "Gleichheitsparade" in Warschau marschierten am Wochenende Tausende gegen Diskriminierung und für Gleichberechtigung.
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