Tirol: Die Suche nach "JJ1" soll intensiviert werden

15. Juni 2006, 21:38
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Finnische Hunde spürten bisher nur Fernsehteam auf - Warten auf neue Spur

Innsbruck - Die Jagd auf den aus dem Trentino stammenden Braunbären "JJ1" soll in Tirol nun intensiviert werden. Eine ersten Spurensuche der aus Finnland eingeflogenen Spezialhunde endete am Sonntag mit dem "Auffinden" eines Fernsehteams, das im Gebiet um Terfens im Bezirk Schwaz ebenfalls auf Bärensuche war. Nun muss zunächst auf neue Meldungen gewartet werden. Der Braunbär soll dann betäubt werden, an ein Abschießen sei zunächst nicht gedacht, wurde am Montag bei einer Pressekonferenz betont.

WWF-Sprecherin Susanne Grof sprach von einem "auffälligen Tier", das nicht gelernt habe, Menschen komplett aus dem Weg zu gehen. "JJ1" solle aus Tirol "in jedem Fall entfernt" werden. Der Bär habe nur gelernt, niemals ein zweites Mal zu ein- und demselben Ort zurückzukehren.

"Der Spaß" hat ein Ende

Der Tiroler Agrarlandesrat Anton Steixner (V) betonte bei der auch von deutschen Journalisten gut besuchten Pressekonferenz in Scharnitz an der bayerischen Grenze, "der Spaß" habe ein Ende. Es handle sich um "einen sonderbaren Bären, der ein Sicherheitsproblem darstellt". Mit einem neuen Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Schwaz sei die Jagd auf den Bären rechtmäßig und könne von einzelnen Jagdpächtern nicht mehr verhindert werden. Dieser Bescheid werde auf alle Bezirke Nordtirols ausgedehnt und sei bereits in Kraft. Auch der Jägerverband, dessen Obmann der Bruder des Landesrates ist, sei mittlerweile mit dieser Vorgangsweise einverstanden.

Auf die Frage, wohin der betäubte Bär dann gebracht werden solle, sagte Steixner "möglichst weit von Tirol weg". Es gebe ein Angebot aus Bayern, das Tier in ein drei Hektar großes Wildgehege bei München zu bringen. Dafür gebe es angesichts des "Marathonläufers" Bedenken von WWF-Chef Helmut Pechlaner. Die andere Alternative sei das Zurückbringen in das Trentino, von wo "JJ1" herkommt.

Spezialhunde

Zum Einsatz kommen nun fünf "norwegische und schwedische Elchhunde", berichtete der Einsatzleiter des Hundeteams, Felix Knaur. Die fünf Jahre alte "Peni" habe am Sonntag die Spur des Bären verfolgen können. Die Spezialhunde werden ein bis zwei Stunden eingesetzt und müssen dann ausgetauscht werden. "Peni", "Jeppe", "Raiku", "Jimmy" und "Atte" sollen "JJ1" einkreisen und stellen. In diesem Moment soll dann der Narkosespezialist Christian Walzer zum Einsatz kommen. Mit dem mit CO2 angetriebenen Gewehr soll er aus einer Distanz von weniger als 70 Metern die Spritze mit dem Spezialmedikament auf den Bären abfeuern. Anschließend soll der Bär dann zurück ins Trentino oder nach Bayern gebracht werden.

Bei ihrem Tirol-Einsatz haben die Hunde nicht nur mit dem im Vergleich zu Finnland schwierigeren Gelände zu kämpfen. Zwei der Vierbeiner mussten angesichts der höheren Temperaturen als in ihrer Heimat "sommertauglich" gemacht werden und erhielten noch am Sonntag eine Spezialrasur verpasst, um nicht allzu schnell ins Schwitzen zu kommen.

Eine erste Spur in der Nacht erwies sich übrigens als Falschmeldung. Augenzeugen hatten ein Reh für einen Bären gehalten. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bärenjaeger aus Finnland und ihre karelischen Suchhunde.

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