Suche nach Immunisierung gegen Fisch-Allergie

19. Juni 2006, 14:01
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... eines von zahlreichen Themen beim kommenden Allergologen-Kongress in Wien

Wien - Beim europäischen Allergologenkongress diskutieren derzeit (bis 14. Juni) mehr als 6.000 Spezialisten im Austria Center Vienna die neuesten Entwicklungen auf ihrem Fachgebiet. Mit an der Spitze sind hier Wiener Forscher. Die Bandbreite reicht von einer geplanten prophylaktischen Allergie-Impfung bis zu einem Therapeutikum gegen die Fisch-Allergie.

Forschung in Österreich

Die Top-Position in der Allergie-Forschung nehmen in Österreich die Arbeitsgruppen am Zentrum für Physiologie und Pathophysiologie der Medizinischen Universität Wien um Univ.-Prof. Dr. Rudolf Valenta ein. Sie haben sich vor allem auf die Entwicklung rekombinanter, also gentechnisch hergestellter, Allergene zur Diagnose und Therapie von allergischen Erkrankungen spezialisiert.

Wie dringend das notwendig ist, zeigt eine Arbeit, in der die herkömmlichen "standardisierten" Allergen-Extrakte von Birkenpollen (fünf internationale Hersteller) auf ihren wirklichen Inhalt untersucht wurden. Sie werden derzeit - noch - für die Testung auf solche Allergien und als Inhaltsstoffe für die Hyposensibilisierung ("Allergie-Impfung") eingesetzt. Das Ergebnis: Die Produkte mit angeblich immer gleichem Inhalt wiesen eine Bandbreite von 23,1 bis 297,8 Mikrogramm (Millionstel Gramm) pro Milliliter an Eiweißstoffen auf. Der Inhalt an Birkenpollen-Allergen Bet v 1 schwankte zwischen 1,62 und 19,61 Mikrogramm pro Milliliter. Das deutet darauf hin, dass mit den bisher verwendeten Produkten nur eine sehr "rohe" Dosierung möglich ist.

Problemfall Fisch-Allergie

Bisher nicht per Hypo-Sensibilisierung ("Allergie-Impfung") behandelbar ist die Fisch-Allergie. Doch hier könnte ein neues Projekt der Wiener Experten in Zusammenarbeit mit Grazer Spezialisten einen Weg in die Zukunft weisen: Sie konstruierten Varianten eines Karpfenmuskel-Proteins (Parvalbumin), das bei Mäusen zu einem Schutz vor allergischen Reaktionen führte. Es könnte sich für eine solche Immuntherapie eignen.

"Allergie-Chip"

Das Wiener Biotechnologie-Unternehmen VBC-Genomics will die Diagnose von Allergien vereinfachen. Immerhin ist die Suche nach jenen Substanzen, auf die Patienten reagieren, wegen der vielen Möglichkeiten ausgesprochen kompliziert. Das Unternehmen entwickelt "Allergie-Chips", bei denen die Diagnostik auf der Basis der Gen-Chip-Technik abläuft. Bei dem Kongress stellt es Ergebnisse vor, die vor allem für Patienten mit allergischer Rhinitis interessant werden könnten: So gelingt es bereits, Allergien mit der Technik auf der Basis der Untersuchung von Nasensekreten zu identifizieren.

Neue Studien

Vom Zentrum für Pathophysiologie der Medizinischen Universität Wien kommen gleich mehrere neue Studien zur zukünftigen Immuntherapie von Allergien:

- Revolutionär könnte eine prophylaktische Allergie-Impfung sein, welche solche Erkrankungen gar nicht erst aufkommen lässt. Bisher ist die Immuntherapie ja auf die Behandlung bereits bestehender Allergien beschränkt. Studien an Mäusen lassen die Anwendung von gentechnisch hergestellten nicht Allergie-auslösenden Bruchstücken von Bet v 1, dem Haupt-Allergien der Birkenpollen, als prophylaktischen Impfstoff bereits als machbar erscheinen. Wurden die Versuchstiere immunisiert und sie nachher massiv mit Birkenpollen belastet, zeigte sich eine wesentlich reduzierte Aktivierung des Immunsystems.

- Die "Allergie-Impfung", die vor der Erkrankung schützen soll, bewirkt im Körper die Produktion von IgG-Antikörpern. Das wiederum soll die Aktivität der Allergie-vermittelnden IgE-Antikörper blockieren. Genau das gelang einer anderen Arbeitsgruppe bei Mäusen. Die Versuchstiere wurden mit einem gentechnisch erzeugten Impfstoff gegen Birkenpollen sensibilisiert. Dann erhielten sie spezifische IgG-Antikörper gegen das Allergen als passive Impfung. Danach wurde ihr Blutserum untersucht. Dabei zeigte sich, dass die passive Impfung allergische Reaktionen im Labor wirksam blockierte.

- Ein Fusionsprotein aus dem Haupt-Allergen (Phl p 1) des Wiesenlieschgrases und einem Protein aus Hülle von Rhinoviren könnte gar zu einem Doppelschlag gegen Gräserpollen-Allergien und gleichzeitig dem Schnupfen durch die infektiösen Krankheitserreger führen. Immunisierte man Mäuse bzw. Kaninchen damit, zeigte sich in Laboruntersuchungen einerseits eine vor der Allergie womöglich schützende Immunantwort, andererseits wurde die Infektion von Zellen mit Rhinoviren verhindert. (APA)

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