Nichts zu verlieren

13. Juni 2006, 10:17
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Otto Baric traut seinen kroatischen Landsleuten gegen Brasilien Über­raschung zu - er selbst könnte bald albanischer Teamchef sein

Berlin - Österreichs früherer Fußball-Teamchef Otto Baric traut Kroatien am Dienstag in Berlin gegen Brasilien einen Punktgewinn zu. Der 73-Jährige sieht die Balkan-Kicker derzeit in einer so starken Verfassung, dass sie selbst dem Titelverteidiger und großen WM-Favoriten ein Bein stellen können. "Ein Unentschieden ist möglich", prophezeite der frühere Rapid- und Salzburg-Meistermacher, der in der deutschen Hauptstadt im Stadion sitzen wird.

Kroatiens Teamchef Zlatko Kranjcar verfügt laut Baric über eine homogene Mannschaft, die großes Potenzial hat. "Die Spieler sind stark am Ball, außerdem herrscht innerhalb des Teams eine gute Kameradschaft", beschrieb der Coach, der die kroatische Auswahl von 2002 bis 2004 betreut hatte, die Pluspunkte des WM-Dritten von 1998.

"Rechtzeitig attackieren!"

Bekanntlich ist aber auch der regierende Weltmeister mit dem Ball nicht gerade per Sie, wie auch Baric weiß. "Die Brasilianer sind natürlich die bessere Mannschaft, aber leicht werden sie es nicht haben." Den Schlüssel zu einem Punktgewinn gegen den Rekordchampion sieht Baric in einem couragierten Auftreten der Kroaten. "Das Wichtigste ist, rechtzeitig zu attackieren und nicht zu tief zu stehen. Das wäre der größte Fehler, denn die Brasilianer sind technisch besser und würden das ausnützen", vermutet Baric.

"Otto Maximal" hat beim Starensemble rund um den aktuellen Weltfußballer Ronaldinho aber auch Schwächen ausgemacht. "Brasilien ist dann sehr offen, wenn die beiden Außenverteidiger Cafu und Roberto Carlos mit in den Angriff gehen. In diese Räume könnte man stoßen", so die Marschrichtung von Baric.

"Nichts zu verlieren"

Die Tatsache, gleich zum WM-Auftakt gegen das Starensemble um den aktuellen Weltfußballer Ronaldinho antreten zu müssen, sieht er nicht als Nachteil. "Vielleicht ist es sogar ein Vorteil, weil wir nichts zu verlieren haben. Wahrscheinlich aber ist es egal, denn die entscheidenden Spiele für Kroatien sind die gegen Japan und Australien."

Diese richtungweisenden Duelle um den Aufstieg aus Gruppe F werden die beiden Austria-Legionäre Joey Didulica und Mario Tokic aller Voraussicht nach nur von der Ersatzbank aus miterleben. "Tokic ist ein guter Spieler, aber er hat das Pech, dass alle seine Konkurrenten bei Vereinen in besseren Ligen spielen. Und Didulica ist vielleicht der beste Tormann, aber diese Sache mit dem Lawaree-Prozess hat ihn glaube ich psychisch beeinträchtigt, seither ist er nicht mehr so gut", analysierte Baric, der nach einer längeren Absenz wieder ins Trainergeschäft einsteigen könnte. "Ich habe ein Angebot, albanischer Teamchef zu werden. Bis Mittwoch muss ich mich entscheiden." (APA)

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    Otto Baric ist von Kroatiens Team überzeugt.

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