Nachlese: Zwei Männer am Vulkan Merapi umgekommen

18. Juli 2006, 09:02
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In unterirdischem Schutzbunker verschüttet und verbrannt - Seit Mittwoch gilt wieder höchste Alarmstufe

Kaliadem/Jakarta - An dem seit Wochen bedrohlich aktiven indonesischen Vulkan Merapi hat es die ersten Todesopfer gegeben: Zwei Männer wurden am Freitag aus einem Bunker unter glühend heißen Geröllmassen geborgen, wie der Leiter des Bergungsteams sagte. Ihre Leichen seien wie "in einem Ofen gebacken" worden, berichtete einer der Helfer, die sich seit Donnerstag durch die meterdicke und mehrere hundert Grad heiße Gesteinsmasse bis zum Bunkereingang graben mussten. Die beiden Männer waren am Mittwoch vor einer heißen Vulkangaswolke in den Schtzraum beim Dorf Kaliadem geflüchtet und verschüttet worden.

Der Bergungstrupp konnte nur in Hitzeschutzkleidung in den Bunker vordringen. Dort fanden sei eine Leiche neben der Toilette und den zweiten Toten in der Nähe der Eingangstür, wie der Anführer des Trupps, Oberstleutnant Mursal, sagte. Der sogar mit Sauerstoffvorräten ausgestattete Bunker sollte im Notfall Schutz vor hunderte Grad Celsius heißen Gaswolken bieten. Bedeckt von einer bis zu zweieinhalb Meter dicken Schicht glühender Gesteinsmassen wurde er jedoch zum Ofen.

Flucht verpasst

Eine Vertreterin des vulkanologischen Instituts in der Provinzhauptstadt Yogyakarta sagte, die beiden Männer hätten ausreichend Zeit zur Flucht gehabt. Auch ein Augenzeuge und Freund eines der Opfer kam zu dieser Einschätzung: "Sein Motorrad stand bereit. Er hätte nicht in den Bunker gehen müssen", wäre er sofort geflohen, sagte der Zeuge des Ausbruchs dem Radiosender ElShinta.

Am Mittwoch hatten sich rund 15.000 evakuierte Menschen aus der Umgebung des Merapi wieder auf den Weg in ihre Heimatdörfer an den Hängen des Vulkans gemacht, als der Berg pötzlich wieder bis zu 500 Grad Celcius heiße Gas- und Aschewolken austieß. Daraufhin riefen die Behörden erneut die höchste Alarmstufe aus. Der Merapi auf der Insel Java ist seit April stark aktiv. Merapi bedeutet "Feuerberg". Bei seinem folgenschwersten Ausbruch 1930 starben mehr als 1.300 Menschen. 1994 kamen fast 70 Menschen ums Leben.

Unterdessen erschütterten am Freitag zwei starke Erdbeben die indonesische Insel Sulawesi. Die Erdstöße erreichten eine Stärke von 5,7 und 5,4 auf der Richter-Skala, wie die Erdbebenwarte in Jakarta mitteilte. Berichte über Opfer oder Schäden gab es nicht. (APA/AFP)

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    Heiße Asche des Vulkans zerstörte ein Dorf

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