Einreiseverbot für Ahmadinejad zur Fußball-WM kaum möglich

14. Juni 2006, 15:36
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Demonstration gegen den iranischen Präsidenten in Nürnberg - Bayerns Innenminister nennt Ahmedinejad "Verbrecher"

Berlin - Ein Einreiseverbot für den iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad zur Fußball-WM in Deutschland wäre nach Einschätzung des stellvertretenden CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Bosbach kaum möglich. Unter anderem gebe es Verträge mit dem Weltfußballverband FIFA, die es erschwerten, eine Einreise Ahmadinejads zu verhindern, zitierte der Berliner "Tagesspiegel" Bosbach in einem Voraus-Bericht aus der Montag-Ausgabe.

Allerdings müsse man dem iranischen Präsidenten klar machen, "dass er hier nicht willkommen ist". Sollte er dennoch kommen, dürfe er keinesfalls mit Protokoll empfangen werden, so Bosbach.

FIFA-Verträge mit Garantien für sichere Einreise

Dem Bericht der Zeitung zufolge hat Deutschland in Verträgen mit dem Weltfußballverband FIFA Regierungsgarantien abgegeben, die eine sichere Einreise für die Delegationen der teilnehmenden Länder umfassten. Die deutsche Regierung meine, dass diese Garantie auch für die politischen Vertreter der Teilnehmer-Länder gelte. Das WM-Organisationskomitee betrachte Ahmadinejad jedoch nicht als Mitglied der Delegation. Die Zeitung zitierte dazu einen Sprecher des Innenministeriums mit den Worten, man werde sich mit der Frage befassen, wenn Ahmadinejad sein Kommen bekunde.

Der iranische Präsident hat mit anti-israelischen Äußerungen weltweit Empörung ausgelöst. Unter anderem leugnete er den Holocaust und forderte, Israel von der Landkarte zu tilgen.

Er hat Medienberichten zufolge angekündigt, zur WM zu kommen, falls das iranische Team die Vorrunde übersteht. Vor dem WM-Spiel Iran-Mexiko in Nürnberg hatten am Sonntag etwa 1.000 Menschen gegen die Israel-feindliche Politik des Landes demonstriert. Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) hatte dort gesagt, wer wie Ahmadinejad die Juden ins Meer treiben wolle, stehe außerhalb des Bodens jeder Zivilisation. "Wenn er nach Deutschland käme, würde ihn nur der Diplomatenpass davor bewahren, verhaftet zu werden. Ein Verbrecher wie Ahmadinejad ist in Deutschland nicht willkommen."

Zum ersten Spiel der iranischen Mannschaft war Ahmadinejads Stellvertreter Mohammed Aliabadi angereist. Die deutsche Regierung hatte erklärt, er werde nicht als Staatsgast behandelt, und es werde keine offiziellen Kontakte geben.

Demonstration gegen Ahmadinejad

Bei einer Demonstration gegen Ahmadinejad in Nürnberg hat Bayerns Innenminister Günther Beckstein die Politik Irans ungewöhnlich scharf kritisiert und ihn als Verbrecher bezeichnet. Zu der Kundgebung der israelitischen Kultusgemeinde in Nürnberg kamen nach Angaben der Polizei 1.200 Menschen. Es kam zu keinerlei Zwischenfällen.

Wer wie Ahmadinejad die Juden ins Meer treiben wolle, stehe außerhalb des Bodens jeder Zivilisation, sagte der CSU-Politiker am Sonntag kurz vor dem WM-Spiel Iran-Mexico vor etwa 1000 Kundgebungsteilnehmern in Nürnberg. "Wenn er nach Deutschland käme, würde ihn nur der Diplomatenpass davor bewahren, verhaftet zu werden. Ein Verbrecher wie Ahmadinejad ist in Deutschland nicht willkommen." Der frühere Vize-Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman, sagte, weder aus Opportunismus oder Angst vor Wirtschaftssanktionen dürfe man "einem Schwerverbrecher, dem Hitler des 21. Jahrhunderts, mit einem Schmusekurs entgegentreten". Er forderte: "Wir müssen ihm deutlich machen: Die rote Linie ist überschritten." Für Ahmadinejad sei kein Platz in Deutschland. Die neue Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, forderte die Bundesregierung auf, Ahmadinejad zur unerwünschten Person zu erklären. (APA/Reuters/red)

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