Jordanische Abgeordnete nach Sympathie-Bekundung für Zarqawi in Haft

15. Juni 2006, 19:52
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Befragung durch den Generalstaatsanwalt

Amman - Jordanien hat vier Abgeordnete des Parlaments festgenommen, die nach Angaben der Behörden Sympathie für den jüngst getöteten irakischen Al-Kaida-Chef Abu Musab al-Zarqawi bekundet haben. Die vier Männer seien in Haft genommen worden und würden vom Generalstaatsanwalt befragt, sagte ein Regierungssprecher am Sonntag, ohne weitere Details zu nennen.

Die Partei Islamische Aktionsfront (IAF), der die vier Abgeordneten angehören, kritisierte die Festnahmen. "Diese Abgeordneten sollten parlamentarische Immunität haben", sagte der IAF-Vorsitzende Zaki Bani Rusheid. "Der Vorgang zeigt, wie sehr die Behörden die Demokratie achten."

Einer der Abgeordneten hatte nach Angaben von Augenzeugen an einem Gebet teilgenommen, bei dem in der Geburtsstadt Zarqawis in Zarqa, 25 Kilometer nordöstlich der jordanischen Hauptstadt Amman, für dessen Seelenheil gebetet wurde. Zudem habe er Zarqawi einen Märtyrer genannt. Die drei anderen Abgeordneten hatten die Familie Zarqawis in Zarqa besucht und ihr ihr Beileid ausgedrückt.

Zarqawis Familie erhält hunderte Sympathiebekundungen

Seit dem Tod Zarqawis in der vergangenen Woche nach einem US-Raketenangriff im Irak hat seine Familie hunderte von Sympathiebekundungen erhalten. Zarqawi war in der ärmlichen Stadt Zarqa als Sohn einer Familie aufgewachsen, die zu dem größten Stamm Jordaniens gehört. In den 90er Jahren hatte er in Jordanien im Gefängnis gesessen. Später war er in den Irak gegangen, um gegen die US-Truppen zu kämpfen. Er wird für einen großen Teil der Gewalt verantwortlich gemacht, die das Land seit dem Einmarsch der US-geführten Truppen im März 2003 erschüttert.

Die jordanische Regierung hatte Zarqawi als Terroristen bezeichnet, der unter anderem hinter den Bombenanschlägen vom November 2005 stecke. Damals waren in Amman rund 60 Menschen getötet worden. (APA/Reuters)

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