Wolfgang Schüssel versteht die Aufregung um "Bruno" nicht

20. Juni 2006, 12:55
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Ein Spaziergänger hat den Bären in Imst zuletzt gesehen - wie "Bruno" einem Wildhasen den Kopf abgebissen habe

Innsbruck - "Bruno", der Braunbär, der seit Wochen wie ein Phantom durch bayrisch-österreichische Lande strawanzt und gelegentlich gerissene Hühner, Schafe und Ziegen hinterlässt, ist nun endgültig zur Chefsache geworden. In Bild am Sonntag zeigte sich Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (VP) verwundert über die Aufregung, die der Bär vor allem in Deutschland auslöst. "Wir haben in Österreich ein Bären-Ansiedlungsprogramm, mit dessen Hilfe ganze Bärenfamilien heimisch gemacht werden. Die richten auch ab und zu Schäden an. Aber das wird dann erstattet, und niemand regt sich auf", sagte Schüssel.

Tier soll betäubt werden

"Bruno"selbst spielt nach dem Eintreffen finnischer Bärenjäger mit ihren speziell ausgebildeten karelischen Hunden in Tirol weiter Katz und Maus. Am Sonntag wurden neue Spuren im Bezirk Schwaz gemeldet. Dort standen am Nachmittag auch die Bärenjäger im Einsatz, um die Fährte aufzunehmen. Das Tier solle lediglich betäubt werden, hieß es.

Nach Angaben der zuständigen Landesabteilung wurde im Bereich der Ganalm im Gemeindegebiet von Terfens ein Hasenstall beschädigt. Außerdem würden auf der Alm zwei Schafe "fehlen".

Den Bären gesehen

Ein Spaziergänger hatte den Bären am Freitag im Bezirk Imst zuletzt gesehen und dies der Polizei gemeldet. Aus etwa 150 Metern Entfernung habe der Mann beobachten können, wie "Bruno" einem Wildhasen den Kopf abgebissen habe. Die Überreste des Bärenhungers brachte der Spaziergänger dann zur Polizei.

25.000-Euro-Einsatz

Die finnischen Spezialisten, die per Flugzeug via München nach Tirol gekommen sind, wurden für zwei Wochen beauftragt. Ihr Einsatz und der der Hunde soll rund 25.000 Euro kosten, wobei die Ausgaben von Bayern und Tirol gemeinsam getragen werden.

Genehmigung für die Fangversuche

Eine behördliche Genehmigung für die Fangversuche liegen vor. Zunächst sollen lediglich Narkosegewehre eingesetzt werden.

Falls die Bärenjäger versagen, könnten die Behörden immer noch "Jack"aus West Milford im US-Bundesstaat New Jersey engagieren. "Jack"hat dieser Tage einen Braunbären auf einen Baum gejagt und ihn nicht mehr heruntergelassen. "Wir haben nicht gedacht, dass er es mit einem Bären aufnimmt, aber er mag einfach niemanden im Garten", sagte Donna Dickey. "Jack"ist ihr Kater. Erst als der fauchende Wächter verschwand, flüchtetet der Bär. (AP, APA, simo, DER STANDARD Printausgabe 12.6.2006)

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    Finnische Bärenjäger mit Hunden und Betäubungsgewähren sind "Bruno"bereits auf der Spur. Ihren Einsatz lassen sich Tirol und Bayern 25.000 Euro kosten

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