Die Tücke des absoluten Konzepts

17. Oktober 2006, 12:21
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"Absolute return" statt Benchmarks? Anleger brauchen dafür Zeit und Forschergeist

Wien - Wie beschreiben Fondsmanager üblicherweise ihren Erfolg? Indem sie herzeigen, wie viel besser ihr Produkt im Vergleich zur Benchmark (ein Index, nach dem sich die Fondszusammensetzung orientiert) performt.

Das mag intern (für den Bonus) immer wichtig sein, Anlegern ist das vor allem in Abschwungzeiten egal. Die Benchmark verliert zwanzig Prozent, der Fonds nur 18? "Fast unmoralisch" nennt Wolfgang Matejka, Chief Investment Officer der Meinl Bank den immer gleichen Wunsch von Investoren: "Beim Aufschwung möglichst voll dabei sein, beim Abschwung nichts verlieren."

Das hat in den vergangenen Jahren den so genannten Garantieprodukten vor allem auf dem Zertifikatensektor Milliarden zugetrieben. Gegen Gebühr wird dort Verlust verhindert, von den Prozenten im Aufschwung behalten sich die Emittenten "ein wenig" ein. Gleichzeitig haben Hedgefonds mit ihren Ertragsversprechen auch bei Privatanlegern ständig an Anziehungskraft gewonnen.

Auf diese Trends reagiert die Investmentfonds-Industrie jetzt verstärkt mit den Schlagworten des "total" oder "absolute return". Dahinter verbirgt sich allerdings höchst Unterschiedliches. Die einen verstehen das als beständige positive Performance ohne Wertverlust, die anderen gehen von Ertragskonzepten abseits von den klassischen Fonds-Benchmarks aus und setzten ausschließlich auf eigene Wetten. Dies fast so wie Hedgefonds, allerdings mit wesentlich weniger Freiheiten in der Anlagepolitik und deutlich mehr regulatorischen Grenzen.

Auch als Marketingschlagwort wird "absolute" im Sinne eines Versprechens gern verwendet.

"Ein durcheinander gewirbelter Bereich", so Matejka, bei dem Anleger kaum klare Strukturen vorfinden. Ein Blick auf die derzeit 13 in Österreich zugelassenen Fonds dieser Art hilft auch nicht, denn: Nur sieben sind im Verlauf eines Jahres positiv. Das lässt möglicherweise Zweifel am Versprechen "absolute" aufkommen. Längere Zeiträume sind wegen der Jugend der Produkte nicht vergleichbar.

Wie gehen institutionelle Investoren gegen Begriffsverwirrung und Marketingversprechen vor? "Viele versuchen bereits über den Vergleich von Schwankungen der Performance in Relation zum Ertrag die stillen absoluten Performer zu lokalisieren", sagt Matejka, der aktuell zwei solcher Produkte anbietet: einerseits den Meinl Quattro, einen Fonds, der das Risiko zwischen vier Assetklassen zu minimieren sucht, und andererseits den Euro Bond, der mit der Methode der Constant Proportion Portfolio Insurance (CPPI) nach unten absichert und Gewinne oben einloggt.

Was bleibt Anlegern, die statt "Benchmarking" wirklichen "absolute return" wollen? Das kritische Untersuchen der Produkte. "Es liegt beim Investor", sagt Matejka. (Karin Bauer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.6.2006)

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