Messners Museums-Mühen

11. Juni 2006, 19:30
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Umstrittenes "Mountain Museum" wurde im Schloss Sigmundskron eröffnet - Damit ist der Bergsteiger bereits Herr über vier Museen

Bozen - Die Massen werden strömen müssen, "damit es sich rechnet", wie Bergsteigerlegende Reinhold Messner kurz vor der Eröffnung seines "Messner Mountain Museum"(MMM) erklärte: Erst bei 60.000 bis 70.000 Besuchern beginnt sich Messners jüngstes Museum auf Schloss Sigmundskron bei Bozen zu rechnen. Die vom Land Südtirol aufwändig restaurierte Burg-ruine birgt die Geschichte des Bergsteigens mit all seinen Tragödien. Unterm Glassturz: Ein Schuh von Messner-Bruder Günther, der 1970 am Nanga Parbat tödlich verunglückte und dessen Leiche erst 2005 entdeckt worden war.

Hier begann der Kampf der Südtiroler

Messner ist damit bereits Herr über vier Museen, ein fünftes über Bergvölker soll noch folgen. Diesem Projekt waren allerdings jahrelange Querelen vorangegangen. Denn: Schloss Sigmundskron ist ein historisches Symbol. 1957 begann hier der Kampf der Südtiroler für die Autonomie, Silvius Magnago versammelte damals 30.000 Menschen zur größten Protestkundgebung des Landes. Dazu auch noch Messners kurzes politisches Engagement für die Südtiroler Grünen: "Es war sehr schwierig, das Ganze politisch durchzusetzen", bilanziert der Bezwinger aller 14 Achttausender nun im ORF.

Die Konzession für die Einrichtung eines Bergmuseums hatte Messner daher erst 2003 erhalten - obwohl die Pläne dafür bereits seit 1998 existierten.

Jetzt darf er für 30 Jahre das Areal ohne Pachtzins nutzen. Über Eintrittsgelder und Sponsoring sollen die zehn Arbeitsplätze und die Betriebskosten finanziert werden.

Auf Sigmunds-kron erwarten die Besucher viele Installationen, Bilder, Geschichten über die Entstehung der Berge und den Alpinismus bis hin zur heute "größten Müllhalde der Welt"am Mount Everest.

Religion und Gipfelkreuze

Dazu das Thema Religion: Neben vielen hinduistischen Gottheiten sind auch christliche Symbole in der Schau präsent, vom hölzernen Ritterkreuz bis zum modernen metallischen Gipfelkreuz. Messner: "In dieser Vielzahl sind Gipfelkreuze überall im Land zum Teil eine Verschandelung. So viele sind eigentlich gar nicht notwendig".

Für Bozen hat Messner noch ganz andere Visionen parat: Die Südtiroler Landeshauptstadt solle zu "Europas Berghauptstadt"werden, verlangte der Ex-Extrembergsteiger. Mit diesem Vorhaben konnte er auch den Hauptsponsor für sein jüngstes Museumsprojekt gewinnen. Ein lokaler Sportartikelanbieter soll massiv bei der Bewerbung des "MMM"mitwirken, damit die 70.000 Besucher kommen. (APA, frei, DER STANDARD Printausgabe 12.6.2006)

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    Schaustücke aus aller Welt wurden für die Schau über die Geschichte der Berge, des Bergsteigens und des alpinen Glaubens zusammengetragen. Aber auch Mist von der "größten Müllhalde der Welt"am Mount Everst wird ausgestellt.

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