ÖGB-Schulden "mörderisch dramatisch"

22. Juni 2006, 19:56
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Die Schulden in Höhe von rund zwei Milliarden Euro nehmen existenz­bedrohende Ausmaße an - Bawag-Verkauf kein völliger Ausweg

Wien - Die Tatsache, dass der ÖGB seiner Bank Bawag P.S.K. 1,531 Mrd. Euro schuldet, schlägt Riesenwellen. Selbst der Verkauf der Bank würde den ÖGB nicht unbedingt retten. "Es kann durchaus sein, dass der ÖGB nach dem Verkauf der Bawag noch Schulden hat", sagte ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer am Sonntag im Kurier.

Überrascht kann der ÖGB-Chef von den am Samstag im STANDARD veröffentlichten Fakten aber nicht sein. Die Bilanzen, in denen sich die Schulden der dem ÖGB gehörenden Anteilsverwaltung Bawag (AVB; sie hält die Bawag-Aktien) manifestieren (siehe Artikel Schuldenkarussell à la Bawag), waren den Bankern und dem ÖGB ebenso bekannt wie der Finanzmarktaufsicht FMA - und der Staatsanwaltschaft.

Die Ermittler in der Causa Bawag haben die Verdächtigen längst nach den Beweggründen der Jongliervorstellung gefragt. Laut kolportierter Auskunft von Ex-Bankchef Johann Zwettler sei es darum gegangen, "die Bawag herauszuputzen". Dass der Schulden-Verschub, der seine Wurzeln beim Kauf der P.S.K. hat, strafrechtliche Folgen haben könnte, gilt bei Juristen als "unwahrscheinlich".

Für den ÖGB ist der Schuldenberg "mörderisch dramatisch", konstatiert Finanzchef Clemens Schneider. Und: "Der ÖGB wird mindestens 15 Mio. Verlust schreiben und sehr schwer kämpfen müssen, damit sich das alles ausgeht." Es drohe zwar kein Konkurs, "aber seine Vermögenslage ist seit der Übernahme der Haftung im Jahr 2000 prekär."

Abwertungsbedarf

Diese ungemütliche Situation könnte sich noch verschlimmern. Denn in den Bilanzen für 2005 könnte es zu massiven Abwertungen kommen. Vor dem ÖGB muss dessen AVB bilanzieren. In ihren Büchern ist die Bawag aktiviert - und es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich ein Abwertungsbedarf für die Bank ergibt. Die Folge: Die AVB bekäme Probleme mit ihrer Eigenkapitalausstattung, der ÖGB müsste seinerseits die AVB abwerten. Was wiederum seinen Bewertungsverlust erhöhen würde.

Die Schlussfolgerung des ÖGB-Finanzchefs: "Wir müssen das alles verdauen. Man kann die Bank nur verkaufen." Der von Morgan Stanley gemanagte Verkaufsprozess laufe aber "ganz toll".

Keine Sorgen macht sich Schneider, dass der ÖGB mit der Rückzahlung des Kredits bei der Bayerischen Landesbank (380 Mio. Euro für den Rückkauf der Bawag-Anteile) in Schwierigkeiten kommen könnte. Die AVB verfüge über Wertpapiere, die zumindest 450 Mio. Euro wert seien - "damit können wir das zurückzahlen." Welche Wertpapiere das sind? Schneider: "Das sind Finanzkonstruktionen, die die Bawag professionell managt und die auch Engagements in Hedge- und Dachfonds umfassen." Bauchweh habe er diesbezüglich keines, "das ist sehr, sehr gut unter Kontrolle." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.6.2006)

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    ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer.

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