Abschiednehmen: Die letzten Songs von Johnny Cash

11. Juni 2006, 15:09
13 Postings

Von ihm noch geplantes und von Rick Rubin fertigproduziertes Album erscheint Ende Juni: Berührende Songsammlung mit gebrochener Stimme

Wien - Die Stimme ist gebrochen, gezeichnet von schwerer Krankheit und vom Verlust der geliebten Frau, aber trotzdem erhaben: "Ich bin müde, allein zu gehen" und "Bitte, Gott, lass mich noch ein einziges Mal lächeln", singt Johnny Cash (1932-2003) in "Help Me", dem ersten Song auf "American V: A Hundred Highways" (Universal), dem letzten von ihm geplanten Album. Rick Rubin hat nach dem Tod des Barden die Songs fertigproduziert. Anfang Juli kommt die berührende Songsammlung in die Geschäfte.

"Es könnte sogar das größte Album sein, das Johnny je aufgenommen hat", ließ Rubin, mitverantwortlich für das Comeback von Cash mit der "American"-Serie, im Vorfeld der Veröffentlichung wissen. Tatsächlich enthält die Platte viele wunderbare Interpretationen von großartigen Songs - wie "Further On (Up The Road)" von Bruce Springsteen, "The Evening Train" von Hank Williams und den Folk-Klassiker "Four Strong Winds" von Ian Tyson.

Album versammelt auch zwei Eigenkompositionen: In "I Came To Believe", einer Ballade, singt Cash, dass er sich stets an eine höhere Macht wandte, wenn er mit seinen Problemen nicht mehr fertig wurde. Und dass er an diese höhere Macht letztendlich fest glaubte. Das Lied schrieb der "Man in Black" zu Beginn seiner Karriere, aber am Ende seines Lebens interpretierte Cash das Stück wie ein endgültiges, unumstößliches Fazit.

Thema Abschiednehmen

Das letzte Stück, das Cash schrieb und aufnahm heißt "Like The 309". "Es sollte noch eine Weile dauern, bis ich Doktor Tod sehe", raunt die Legende. Es ist kein todtrauriger Song, selbst wenn es auch hier um das zentrale Thema der gesamten Produktion, um das Abschiednehmen, geht, sondern ein schöner, sparsam instrumentierter Blues, in dem Johnny eines seiner Lieblingsthemen abhandelt: die zu Zügen. Der Text ist ein smartes Augenzwinkern als Kontrast zu schwermütigeren Beiträgen.

Das Herzstück auf "A Hundred Highways" stammt aus der Feder des US-Poeten und Sängers Rod McKuen. Eine Zeile aus dem Text wurde nicht ohne Grund zum Titel der Platte. Auch wenn Cash hier nur interpretiert, klingt es wie ein Resümee seines Lebens. Allein dieser Beitrag rechtfertigt die Veröffentlichung der CD. Und bewundern muss man Cash nicht zuletzt deshalb, wie der in "Rose Of My Heart" sanft über die Liebe seine Lebens singt. Ehefrau June Carter Cash war wenige Wochen vor diesen Aufnahmen gestorben. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.