Fall Haditha: US-Soldat beruft sich auf Militär-Regeln

17. Juni 2006, 16:57
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Anwalt des Beschuldigten: Zivilisten bei "chaotisch verlaufender Razzia" versehentlich getötet

Washington - Im Falle des mutmaßlichen Massakers an irakischen Zivilisten in Haditha hat ein beteiligter US-Soldat einem Zeitungsbericht zufolge Vorwürfe der vorsätzlichen Tötung zurückgewiesen.

Der 26-jährige Frank Wuterich habe seinem Anwalt erzählt, dass seine Einheit nur die Regeln des Militärs befolgt habe, berichtete die "Washington Post" am Sonntag. Die Tötung der 24 Einwohner des westirakischen Ortes sei die Folge einer Razzia von Haus zu Haus gewesen, die chaotisch verlaufen sei. Sein Mandant sei sehr verärgert darüber, dass die Menschen glaubten, er und seine Kollegen seien dazu fähig, unschuldige Zivilisten absichtlich zu töten, wurde Wuterichs Anwalt Neal Puckett in dem Blatt zitiert. Vielmehr sei es darum gegangen, das Leben der Soldaten zu schützen.

Suchen nach Aufständischen

Wuterich zufolge suchten er und seine Kollegen am 19. November unmittelbar nach einem Bombenanschlag nach Aufständischen. Dabei seien sie zu viert in ein Haus eingedrungen, hätten die Tür zu einem Raum geöffnet und eine Splittergranate hineingeworfen. Einer der Soldaten habe Schüsse abgefeuert und dabei mehrere Menschen getötet, sagte Wuterich seinem Anwalt der Zeitung zufolge. Erst dann hätten die Soldaten die Männer, Frauen und Kinder entdeckt.

In der Annahme, die Extremisten seien in ein anderes Gebäude geflüchtet, hätten die Streitkräfte daraufhin ihr Vorgehen in jenem anderen Haus wiederholt und dabei noch mehr Menschen getötet. Wuterich habe die Aktion danach abbrechen lassen und seinen Vorgesetzten Bericht erstattet. Dabei sei der Tod von Zivilisten auch nicht verschwiegen worden, wurde der Anwalt weiter zitiert.

Absichtlich getötet?

Zeugen zufolge sollen die US-Marine-Infanteristen die Zivilisten absichtlich getötet haben. Das Militär untersucht derzeit neben dem Vorfall selbst auch die Frage, ob es einen Vertuschungsversuch gab. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte zuletzt aus dem Umfeld der Beschuldigten bereits erfahren, dass sich diese offenbar mit dem Verweis auf eine chaotische Gefechtslage verteidigen wollen. Der "Washington Post" zufolge sind Wuterichs Äußerungen nun die ersten öffentlichen eines am Fall Haditha beteiligten Soldaten. (Reuters)

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