Regierung will Zivilisten in Taliban-Gebieten bewaffnen

28. Juni 2006, 06:56
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Neue "Zivilpolizei" soll Sicherheitskräfte unterstützen - Britischer Soldat im Süden des Landes getötet

Kabul - Die afghanische Regierung will mit Sondereinheiten aus bewaffneten Zivilisten gegen die Taliban-Rebellen im Süden und Osten des Landes vorgehen. Die so genannte Zivilpolizei solle unter Kontrolle des Innenministeriums stehen und die Sicherheitskräfte in den Grenzgebieten zu Pakistan verstärken, sagte Präsidentensprecher Karim Rahimi am Sonntag. Präsident Hamid Karzai bestritt, dass es sich bei den bewaffneten Zivilisteneinheiten um Milizen handeln könnte. Die Zivilpolizei solle lediglich der unterbesetzten Polizei in den am stärksten von den Taliban-Rebellen betroffenen Gebieten helfen.

Nach Regierungsangaben sollen die Mitglieder der Einheiten von Stammes- und Dorfführern vorgeschlagen werden. Für Einstellung und Ausbildung sei das Innenministerium zuständig. Die Mitglieder sollten für ihren Dienst eine Bezahlung erhalten; Details zu finanziellen Fragen wurden nicht genannt.

Menschenrechtler zeigten sich skeptisch: Das Projekt könnte im Widerspruch zu der geplanten Auflösung und Entwaffnung von Milizen in Afghanistan stehen. In Zusammenarbeit mit der UNO hatte die Regierung Karsai 2003 ein entsprechendes Programm gestartet, dass zu mehr Sicherheit und Rechtstaatlichkeit führen soll.

Britischer Soldat im Süden getötet

Bei Auseinandersetzungen mit mutmaßlichen Taliban-Rebellen ist am Sonntag ein britischer Soldat getötet worden, ein weiterer wurde schwer verletzt. Wie das britische Verteidigungsministerium am Abend in London mitteilte, wurde eine Patrouille der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF) in der südlichen Provinz Helmand in ein Feuergefecht mit mutmaßlichen Taliban verwickelt.

Es ist der erste Todesfall auf britischer Seite, seit Großbritannien im Mai das ISAF-Kommando übernommen hat. Bis Juli sollen insgesamt 3.300 britische Soldaten in die Provinz Helmand entsandt werden. Helmand, wo Schlafmohn in großen Mengen angebaut wird, gilt als extrem instabil. (APA/Red)

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