Hilfe gegen Patriarchatsschäden

31. Juli 2006, 13:41
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Das Frauenbandenfest feierte seine zehnte Ausgabe mit Konzerten von Gustav, SV Damen- kraft und den coolsten Frauen von Wien

Ein Gratis-Drink pro gespieltem Lied. So lautete damals noch das verfängliche Angebot an die Besucherinnen des ersten "Frauenbandenfestes" in Wien, endlich selbst einmal auf die Bühne zu steigen, und das "Privatinteresse" in ein öffentliches Ereignis zu verwandeln. Heute, nach vier Jahren Frauenbandenfest, haben die Veranstalterinnen solche Überredungstricks nicht mehr notwendig. Auf dem Flyer zur 10. Ausgabe der Konzertreihe sind fünf Acts angekündigt, die auf ihren Auftritt warten. Der Frauenraum, er wirkt.

Wir sind alle gleich?

Am Anfang stand der Wunsch, die lokale Frauenmusikszene zu fördern. Für die Initiatorinnen gab es zu wenig "Frauenbands" in Wien, zu wenig Kontakt unter den Frauen, die sich auf unterschiedlichste Weise für Musik interessierten. Mit den Frauenbandenfesten sollte ein eigener "geschützter" Ort her, der nur FrauenLesben auf der Bühne und - fast genauso wichtig - vor der Bühne gewidmet ist.

Mittels der Feste, die meist in den autonomen Räumen des EKH stattfinden, entstand in den vergangenen vier Jahren ein loser Knoten von feministisch orientierten Menschen, die sich bei Gelegenheit musikalisch erproben und - ob der freundlichen Audienz - auch fallen lassen können. Genres spielen dabei ebenso wenig eine Rolle, wie die Perfektion in der Darbietung. Hemmschwellen werden damit niedrig gehalten, was die Feste für die Zuseherinnen spontan und innovationsfreundlich machen.

Solidarität

Die Feste sind als Soli-Abende konzipiert, das heißt, die Einnahmen der Veranstaltungen kommen zur Gänze Fraueneinrichtungen zugute. Diesesmal wurde das Geld dem Frauenhausprojekt MAMBO (Momento Autónomo de Mujeres y Bolleras Osadas) gespendet, das in der Altstadt von Barcelona im Stadtviertel Raval autonome Frauenprojekte ermöglicht. In der Vergangenheit wurde u.a. für die "Post Border Feminists" und das "Wiener Frauencafé" gesammelt.

Ausschluss

Was den Vorwurf des Ausschlusses betrifft, dem setzen sich die Veranstalterinnen immer wieder aus. Doch weniger der Mainstream-Variante, der "Sexismus" lieber in Frauenräumen als bei der Zusammensetzung von Aufsichtsräten anprangert, sondern den Ausschluss-Praxen innerhalb der feministischen Szene. Mittels Flyern, T-Shirts und aufgeklebten Bärten kritisierten Veranstalterinnen und Besucherinnen am Samstag die biologistische Türpolitik des FrauenLesbenMädchen-Zentrums (FZ), die Transgender-Personen nach wie vor keinen Zutritt gewährt.

"Scheiße, ist das gut"

Was die Förderung der Frauenmusikszene betrifft, so kann nach vier Jahren durchaus behauptet werden, dass das Konzept aufgegangen ist. Einige Bands und Musikerinnen, die ihren Weg beim Frauenbandenfest starteten, bespielen heute ein breites, heterogenes Publikum. So zum Beispiel die feministische Electro-Punk-Performance Gruppe "SV Damenkraft", die Punk-Polka-Mischerinnen "First Fatal Kiss" oder auch Eva Jantschitsch alias "Gustav", deren gewittriges Laptop-Songwriting auch über die Grenzen Österreichs hinaus viele AnhängerInnen gefunden hat.

Neben "SV Damenkraft", "Gustav", "Thiamat" und "Don't have, don't need" spielten am Samstag auch "Bonanza Jellybean", eine schwedisch-deutsche Formation, die ihren Hang zum dekonstruierten Country das erste Mal aufführte. Der diva-esken Frontfrau entfuhr es beinahe beschämt: "Scheiße, ist das gut. Das habe ich geschrieben". Eine weitere Band, die maskierten "Pauline in Rage", bestritten ihren zweiten Auftritt hauptsächlich mit angerockten Covers.

Empowerment, DIY, Ich-AGs

Die Frauenbandenfeste vermögen es, eine Community mit zu tragen, der es in erster Linie um "Empowerment" geht - um Selbstermächtigung von Frauen, Lesben und Transgender. Mit dem Marktwertbewusstsein (ehemals "Selbstbewusstsein") der neuen Ich-AGs hat das nichts zu tun, und auch wenig mit dem verwässerten Konzept des "do-it-yourself", wie es heutzutage in den allermeisten Kulturproduktionen zur ökonomischen Notwendigkeit geworden ist. Gut also, dass es diese Räume für Schüchterne (sie sind nicht ausgestorben!) gibt. Gut auch, weil die Schüchternen oft mehr zu sagen haben, als die DränglerInnen in der ersten Reihe. (freu)

Interessierte können sich per E-Mail melden: frauenbanden@frauenweb.at
  • Gini Müller von SV Damenkraft
    foto: diestandard.at
    Gini Müller von SV Damenkraft
  • Sara John, Ex-Gitarristin von "Rhythm King and her friends", bestritt ihr erstes Konzert mit "Bonanza Jellybean".
    foto: diestandard.at
    Sara John, Ex-Gitarristin von "Rhythm King and her friends", bestritt ihr erstes Konzert mit "Bonanza Jellybean".
  • Eva Jantschitsch aka "Gustav".
    foto: diestandard.at
    Eva Jantschitsch aka "Gustav".
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