Nicht restlos überzeugt

14. Juni 2006, 10:44
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Technischer ÖFB-Direktor Ruttensteiner sah England, eine gute erste Hälfte und einen körperlichen Rückfall nach der Pause

Frankfurt - Willi Ruttensteiner, der Technische Direktor des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB), hat am Samstag mit der Partie England - Paraguay in Frankfurt seinen persönlichen WM-Auftakt zur ÖFB-Spionagereise hinter sich gebracht. Nach dem 1:0-Sieg des Weltmeisters von 1966 wollte sich der Oberösterreicher nicht ganz der vorherrschenden Meinung anschließen, wonach die Insel-Kicker eine enttäuschende Partie abgeliefert hätten. "Mir haben die Engländer in der ersten Hälfte sehr gut gefallen", betonte der 43-Jährige.

Das intensive Pressing der Engländer vor der Pause beeindruckte Ruttensteiner. "Da waren sie sehr stark, hätten aber die eine oder andere Chance besser herausspielen müssen." Durch diese Taktik war aber scheinbar der Kräfteverschleiß schon nach 45 Minuten zu hoch, denn nach dem Seitenwechsel erfolgte ein massiver Rückfall. "Da habe ich ein bisschen den Verdacht gehabt, dass sie nicht voll über 90 Minuten gehen können", sagte der frühere ÖFB-U21-Teamchef, der das österreichische Nationalteam bei der 0:1-Niederlage in der WM-Qualifikation im vergangenen Oktober in Manchester gegen England interimistisch betreut hatte.

Zahnloser Angriff

Die offensichtlichen konditionellen Schwächen bei Leistungsträgern wie Lampard oder Gerrard führte Ruttensteiner auch auf die vielen Klub-Einsätze der englischen Internationalen in der abgelaufenen Saison zurück. "Wenn ich mir anschaue, wie viele Spiele zum Beispiel ein Lampard gemacht hat, ist es sicher schwer oder fast unmöglich, bei einer WM wieder völlig hergestellt zu sein."

Mangelnde körperliche Fitness war aber nicht die einzige Mangelerscheinung bei der Eriksson-Truppe - im Angriff wirkten die "Three Lions" zumeist zahnlos. "Owen war nicht gut. Mit Rooney hätte es anders ausgesehen", sagte Ruttensteiner, der - wäre Rooney topfit - den ManU-Stürmer für Owen in die Mannschaft beordern und Crouch in der Startformation belassen würde.

An Ruttensteiners Einschätzung der Engländer hat sich nach deren ersten WM-Partie nichts geändert. "Ich habe schon vorher gesagt, ich habe sie in Richtung Viertel- oder Halbfinale eingeordnet, mit Option nach ganz vorne, weil sie viel Erfahrung haben und bei Standard-Situationen immens gefährlich sind. Die Frage ist aber, wie die Stars ihre vielen Spiele verkraftet haben." (APA)

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    Unter Ruttensteiner sah das ÖFB-Team in England nicht schlecht aus.

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