Angehörige bezweifeln Selbstmord

28. Juni 2006, 11:27
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Vater: "Die Geschichte der US-Regierung ist eine Lüge" - Saudi-Arabien spricht von Folterverdacht

Riad, 12. Jun (Reuters) - Angehörige von zwei im US- Gefangenenlager Guantanamo gestorbenen saudi-arabischen Häftlingen haben die Selbstmordversion der USA bezweifelt. Beide Männer seien streng gläubige Moslems gewesen, denen die Religion die Selbsttötung verbiete, hieß es in Zeitungsberichten am Montag. "Ich bin sicher, dass mein Sohn nicht Selbstmord begangen hat", sagte Talal al-Zahrani der Zeitung "Aschark al- Ausat". "Die Geschichte der US-Regierung ist eine Lüge." Auch sein Bruder Abdullah sagte, Yasser al-Zahrani sei umgebracht worden.

Auch ein Bruder des anderen gestorbenen saudi-arabischen Gefangenen, Manei al-Otaibi, äußerte Zweifel an der US-Darstellung. "Wir halten seinen Tod zu 100 Prozent für verdächtig", sagte er der Zeitung. Nach Angaben der USA haben sich die beiden Saudi-Araber und ein Jemenit in Guantanamo mit Kleidungsstücken und Bettlaken erhängt.

Die Behörden Saudi-Arabiens haben Zweifel an US-Berichten über den Selbstmord geäußert. Der Sprecher des Innenministeriums, Generalmajor Mansour al-Turki, äußerte am Sonntag in Riad den Verdacht, die Männer könnten gefoltert worden sein. Das Königreich werde sich bemühen, die sterblichen Überreste der beiden saudiarabischen Staatsangehörigen zur Beerdigung nach Saudi-Arabien zu überführen, erklärte der General. Die USA stehen international unter Druck, das Sondergefangenenlager zu schließen.

In dem Lager auf Kuba werden derzeit noch mehr als 460 mutmaßliche Terroristen festgehalten. Wegen der Behandlung der Häftlinge in dem Lager hatte unter anderen der britische Kronanwalt Lord Goldsmith den USA vorgeworfen, gegen elementare Grundsätze des Rechtsstaates zu verstoßen. UNO-Experten haben die Anwendung von Gewalt gegen Gefangene, die Überstellung von Häftlingen in Länder, in denen ihnen Folter droht, und die Verletzung ihrer religiösen Gefühle durch das Militärpersonal in Guantanamo angeprangert.

Der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete ehemalige US-Präsident Jimmy Carter hatte in einem Beitrag für die "Washington Post" über Guantanamo geschrieben: "All das passt zu Unrechtsstaaten, die von amerikanischen Präsidenten in der Vergangenheit immer verurteilt worden sind." (APA/dpa/AP)

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