Bangladesch: Gewaltsame Oppositionsproteste

14. Juni 2006, 15:19
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Rücktritt von Premierministerin Zia und Wahlreform gefordert - Polizeikräfte feuerten in die Menge - Straßen nach Dhaka blockiert

Dhaka - Tausende Anhänger der Opposition in Bangladesch haben am Sonntag in der Hauptstadt Dhaka den Rücktritt von Premierministerin Begum Khaleda Zia und eine Wahlreform gefordert. Dabei ist es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen, die in die Menge feuerte. Demonstranten warfen mit Steinen auf die Beamten. Nach Berichten von Augenzeugen wurden Dutzende verletzt. In Dhaka waren 12.000 Polizisten und paramilitärische Sicherheitskräfte im Einsatz. Viele Schulen und Verwaltungseinrichtungen blieben geschlossen, obwohl ein normaler Arbeitstag war.

Vorwürfe an Regierung: Korruption und Machtmissbrauch

Das Oppositionsbündnis unter der Führung der früheren Regierungschefin Hasina Wajed wirft der Regierung Korruption und Machtmissbrauch vor. Anstoß nimmt sie auch am geltenden Wahlrecht und an der Zusammensetzung der Wahlkommission. Mehrere hundert Oppositionsanhänger seien bei Zusammenstößen an einem wichtigen Zufahrtsweg nach Dhaka festgenommen worden, teilte die Polizei mit. Die Demonstranten hätten die Straßen blockiert, die Dhaka mit östlichen und südöstlichen Landesteilen verbindet. Oppositionssprecher Abdul Jalil von der Awami-Liga sagte, Dhaka solle vom Rest des Landes abgeschnitten werden. Die Opposition werde einen unbegrenzten Generalstreik in Gang setzen, sollte sich die Regierung den geforderten Reformen verweigern.

Awami-Chefin Hasina Wajed ist die Tochter des ermordeten Staatsgründers Scheich Mujibur Rahman, unter dessen Führung sich Bangladesch 1971/72 von Pakistan losgelöst hatte. Seither gab es in dem muslimischen Land annähernd 20 Umsturzversuche. 1991 war die Armee im Zuge der Demokratisierung in den Hintergrund getreten. (APA/AP)

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    Polizist schlägt einen Aktivisten während der Demonstration von Anhängern der Opposition.

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