Drei Häftlinge begingen Selbstmord

Redaktion, 28. Juni 2006 11:27

"LA Times": Mani Shaman Turki al-Habardi al-Utaybi hätte demnächst in saudi-arabisches Gefängnis überstellt werden sollen

Miami/Washington - Im US-Gefangenenlager Guantanamo haben nach US-Angaben drei Häftlinge Selbstmord begangen. Die Männer hätten sich mit Kleidungsstücken und Bettlaken in ihren Zellen erhängt, sagte ein Militärvertreter am Samstag. Wiederbelebungsversuche seien erfolglos geblieben. Es handele sich um zwei Männer aus Saudi-Arabien und einen Jemeniten. Es sind die ersten Selbstmorde von Häftlingen seit Nutzung des Lagers als Gefängnis im Januar 2002. US-Präsident George W. Bush äußerte sich "ernsthaft besorgt" über den Vorfall. Nach Angaben des Weißen Hauses informierten die USA ihre Verbündeten telefonisch über die Entwicklung.

Identität bekannt gegeben

Das US-Verteidigungsministerium hat inzwischen die Identität der drei Insassen bekannt gegeben, die sich das Leben genommen haben. Demnach handelt es sich um die Saudi-Araber Mani Shaman Turki al-Habardi al-Utaybi und Yassar Talal al-Zahrani sowie um den Jemeniten Ali Abdullah Ahmed.

30-jähriger hätte demnächst aus Guantanamo entlassen werden sollen

Der 21-jährige Zahrani soll für die Taliban gekämpft haben, dem 28-jährigen Ahmed warfen die US-Behörden Verbindungen zur Al-Kaida vor. Der 30-jährige Utaybi sollte in den Gewahrsam eines anderen Staats übergeben werden, wie aus Unterlagen hervorgeht, die das Ministerium der Nachrichtenagentur AP am Sonntag übermittelte. Die "Los Angeles Times" berichtet, es handle sich dabei um Saudi-Arabien. Allerdings war der Gefangene noch nicht über seine bevorstehende Überstellung informiert worden. Gegen keinen der drei Männer war offiziell Anklage erhoben worden.

Abschiedsbriefe nicht veröffentlicht

Bislang hatte es nach US-Angaben noch keine Selbstmorde in dem Lager gegeben, wohl aber 41 Selbstmord-Versuche, die vereitelt wurden. Die drei Männer hinterließen Abschiedsbriefe, deren Inhalt jedoch nicht veröffentlicht wurde. Nach Angaben der US-Armee werden die Leichen mit "größtem Respekt" behandelt. Die Namen der Toten wurden nicht mitgeteilt. Es sei eine Ermittlung zu dem Vorfall eingeleitet worden.

In dem Lager auf Kuba halten die USA seit Jahren hunderte Männer unter dem Verdacht fest, Kontakte zur Extremistenorganisation Al Kaida oder zur afghanischen Taliban zu haben. Allerdings wurde bislang lediglich gegen zehn der noch rund 460 Insassen formell Anklage erhoben. Ausländische Regierungen und Menschenrechtsorganisationen haben die USA deshalb in der Vergangenheit wiederholt scharf kritisiert.

Sondermilitärgerichte

Die USA haben die Gefangenen als "feindliche Kämpfer" eingestuft, nicht als Kriegsgefangene. Damit haben sie nicht die Rechte, die die Genfer Konvention für Kriegsgefangene festlegt. Die USA haben Sondermilitärgerichte eingesetzt, um einigen der Insassen den Prozess zu machen. Der Oberste Gerichtshof der USA soll voraussichtlich noch in diesem Monat über die Rechtmäßigkeit solcher Tribunale befinden.

"Kein Akt der Verzweiflung, sondern Akt der Kriegsführung"

Es habe sich bei den Selbstmorden eindeutig um eine geplante und keineswegs um eine spontane Aktion gehandelt, sagte der Kommandeur des Guantanamo-Sonderkommandos, Konteradmiral Harry Harris. "Sie sind gerissen. Sie sind kreativ. Sie sind von ihrer Sache überzeugt", sagte er mit Blick auf die Toten. "Sie haben keine Achtung vor dem Leben, weder vor unserem noch vor ihrem eigenen. Ich glaube, das war kein Akt der Verzweiflung, sondern ein Akt (...) der Kriegsführung gegen uns."

89 von 460 Insassen im Hungerstreik

Anfang Juni hatte die US-Armee erklärt, 89 der rund 460 Insassen des Lagers befänden sich im Hungerstreik. Anwälte der Insassen hatten gesagt, damit solle gegen die unbefristete Inhaftierung und für eine Freilassung demonstriert werden. US-Vertreter hatten den Hungerstreik indes als Versuch der Häftlinge bezeichnet, die Aufmerksamkeit der Medien zu erlangen. Die USA hatten das Lager nach den Anschlägen vom 11. September 2001 auf ihr Land eingerichtet, bei denen rund 3000 Menschen getötet worden waren. Nach Angaben stammen die Insassen des Lagers aus 40 verschiedenen Ländern und dem Westjordanland. Die meisten der Häftlinge kämen aus Saudi Arabien, Afghanistan und dem Jemen.

Bush hatte jüngst gesagt, er würde es gerne sehen, wenn das Lager geschlossen werden könnte. Derzeit seien die USA mit anderen Ländern in Gesprächen über eine Rückführung von Lagerinsassen in deren Heimatländer.

Der Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in New York, Ken Roth, nannte Verzweiflung als Motiv für die Selbst-Tötungen. "Leider sind Selbstmorde wie diese absolut vorhersehbar, wenn Menschen außerhalb der Gesetze und ohne Aussicht auf Hoffnung festgehalten werden. Sie verzweifeln an der Aussicht, für den Rest ihres Lebens eingesperrt und den Launen ihrer Gefängniswärter ausgesetzt zu bleiben." (APA/Reuters/Red)

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some user
13.06.2006 00:06
bei solchen meldungen überlege ich mir immer ...

wie die entsprechenden reaktionen weltweit klingen würden, ginge es hier nicht um us-kuba sondern um kuba-kuba.
aber das wäre dann bekanntlich etwas ganz anderes und ich habe ja sowieso keine ahnung wie man solche überlegungen anstellen könnte.
nahezu schon absurde vorstellung ...

dente di leone
 
13.06.2006 11:11

das wäre wieder ein versuch der relativierung. warum nehm ma nicht gleich nordkorea? glauben sie im ernst, es lässt mich kalt, was dort passiert?

aber dass dasselbe in unser aller vorzeigedemokratie passiert ... wenn die schon das sein wollen, was sie vorgeben, dann müssten gerade sie mit gutem beispiel vorangehen.

Bodo Steinbrech
 
12.06.2006 18:33
Befürworte solche Akte der Kreigsführung auf Dringendste !

Bush, Rumsfeld, Cheyne, Rice, ..... sollten sofort einen Akt der Kriegsführung gegen den Terror setzen !

Torious
12.06.2006 16:42

Das is wohl der PR-Gag, um den PR-Gag den die Selbstmörder abgezogen haben zu kontern, huh? Ist schon tragisch das gerade einer der 'Überstellt' werden sollte sich selbst richtet.. obwohl man vor einigen tagen noch lesen konnte, dass es keine "Freilassungen" geben würde so lange der "War on Terror" nicht beendet, und die Häftlinge nicht 100% "geplaudert" haben.

Torious
12.06.2006 16:46

sorry für's doppel (und nun 3-fach) posting, dachte mein Beitrag ging verlohren. Is wohl etwas langsam dieses Forum. ;)

Torious
12.06.2006 16:35
huh

wie denn, was denn..

Erst heißt es, es gäbe keine Freilassung bevor der "War on Terror" nicht beendet ist, und die Insassen nicht "100% geplaudert" haben (möchte wissen wer dies bewertet) und nun soll plötzlich einer kurz vor der Abschiebung nach Saudi Arabien gestanden haben? Aber klar doch.

Man sollte mal nachfragen wie viele andere noch kurz vor der Überstellung in den Nahen Osten sind, oder war er doch der einzige? Wäre schon ein blöder Zufall, oder?

Settembrini
12.06.2006 15:29
Wäre er also vermutlich doch lieber in den Händen der ach so grausamen Amerikaner geblieben als in sein eigenes Heimatland zurückzukehren. Das sollte einigen zu denken geben

Genau. Ändert aber nichts daran, daß das Verhalten der Amerikaner jedem Rechtsverständnis (gerade dem amerikanischen) Hohn spricht.

kabelwurm
12.06.2006 16:05
dafür gibts den "antworten button"

toppostings sind für neue themen gedacht. - weiters erhält der angesprochene kein notify, wenn er es wünscht.

Chien de Pique
12.06.2006 14:25
Interessant.

Wäre er also vermutlich doch lieber in den Händen der ach so grausamen Amerikaner geblieben als in sein eigenes Heimatland zurückzukehren. Das sollte einigen zu denken geben, die immer groß nach Freilassung rufen. Ich vermute, in etlichen ihrer Heimatländer würde die Guantanamo-Häftlinge ein noch weit schrecklicheres Los erwarten, wäre der Umgang mit mutmaßlichen Terroristen, Verrätern und Verschwörern noch ein weit rauerer, ein korrekter Prozess noch unfairer und unwahrscheinlicher, die Folter noch brutaler und unverhohlener.
Dass es, könnte nicht zwangsernährt werden, eine Bilanz von nicht 3, sondern vielleicht 92 Suiziden gäbe, scheint jenen nicht ganz klar zu sein, die sich in den letzten Tagen so über diese Maßnahme erregt haben.

dente di leone
 
12.06.2006 16:28
interessant

ist eher, zu welchem blödsinn sie sich versteigen.

was sie da betreiben, ist sich nach unten orientieren. fällt ihnen das nicht auf?

noch interessanter wird's wenn man sich vor augen führt, dass die usa uns immer wieder sagen, sie wären die vorzeigedemokratie des ganzen universums, vorreiter für menschenrechte und was weiss ich noch alles. saudi-arabien & co haben diesen anspruch nie erhoben. allein das lässt schon jegliche vergleiche unsinnig erscheinen, ganz abgesehen davon, dass gegeneinander aufrechnen ohnehin blödsinn ist.

Si Net
12.06.2006 22:11

unten war Saddam

kabelwurm
12.06.2006 16:07
für sie ist offensichtlich auch klar.

gefangener in guantanamo = (mutmasslicher) terrorist?

dann verstehe ich aber nicht, warum sich die US regierung weigert, diese leute vor ein gericht zu stellen.

k2
12.06.2006 15:34

"Allerdings war der Gefangene noch nicht über seine bevorstehende Überstellung informiert worden."

sie sterben also lieber, als in guantanamo zu sein.

und "manche anderen sind noch brutaler / unfairer / unverholener" ist kein argument. man kann sich ja als freies, demokratisches, menschenrecht achtendes land nicht an diktaturen und despoten ala saudi arabien messen.

Harry Humboldt
12.06.2006 15:32
Nochmal lesen...

laut Artikel wußte der Gefangene wußte nicht´s davon daß er woanders hin verlegt hätte werden sollen.....

DITC101
12.06.2006 15:24

tolle argumentation. also ist guantanamo das kleinere übel und den USA sollte der friedensnobelpreis verliehen werden, da sie so viele "terroristen" aus brutalen ländern selbstlos heraus geholt haben.

kommen sie grad von der messe und sind vom weihrauch noch so eingenebelt?

Tompkins, Mr. Tompkins
 
12.06.2006 15:01
Und mal wieder ein Kommentar von Ihnen, ...

... der meilenweit am Thema vorbei geht.
Es ist vollkommen egal wie andere mit mutmaßlichen Verbrechern umgehen. Hier aufzurechen ist so etwas von grauslich.
Was mich interessiert ist, wie eine Nation, die sich als Leitgesellschaft der westlichen Welt positioniert und meint deren Werte mit Gewalt exportieren zu müssen (wie auch immer das gehen soll), auf die Idee kommt, so mit Menschen umzugehen.

FrenchCurry
12.06.2006 13:49
Unterschied

Was ist denn der Unterschied zwischen Kriegsgefangenen und feindlichen Kämpfern ??

nicht die Konsequenten interessieren mich, sondern die Kriterien nach denen unterschieden wird - danke

kabelwurm
12.06.2006 16:08
kriterien?

"unrechtmässige kämpfer" ist eine erfindung der US regierung, um die verletzung der genfer konvention zu erklären.

Chien de Pique
12.06.2006 14:33
Ein Kriegsgefangener hat die Uniform einer

anerkannten Regierung getragen und in deren Diensten nur seine Pflicht erfüllt, alles im Rahmen der internationalen Konventionen. Ein "feindlicher Kämpfer" im vorliegenden Fall hat sich aus freien Stücken und privater Überzeugung einem von einem international nicht anerkannten Regime protegierten Haufen selbsternannter paramilitärischer Glaubenskämpfer angeschlossen.

smeki
12.06.2006 22:41

abenteuerlich, was sie da zusammenschreiben: zum einen sind ein großteil der eingesperrten willkürlich zusammengefangene zufallsopfer, zum anderen steht selbst freischärlern bis zu einer gerichtlichen(!) verurteilung der schutz der genfer konventionen zu. und selbst nach einer verurteilung und einem gerichtlichen(!) absprechen des kriegsgefangenenstatus stehen diesen leuten die grundlegendsten garantien der genfer abkommen zu, sie sind keinesfalls rechtlose figuren.wobei anzumerken ist, daß die taliban zwar mit wenigen ausnahmen nicht anerkannt waren, dies aber alleine für die beurteilung der gefangeneneigenschaft irrelevant ist,immerhin, und das zählt, übten diese die souveränität über das territorium und die bevölkerung afghanistans aus.

Bodo Steinbrech
 
12.06.2006 18:29
Ihren Kriterien nach wären die Resitance Kämpfer im 2. WK auch feindliche Kämpfer = Terroristen gewesen

Sollte man sie nachträglich inhaftieren ?

norbert kaltblut
12.06.2006 17:48
alles im rahmen der int. konventionen?

dann sind also die us-soldaten im irak "feindl. kämpfer". denn ein krieg nach intl. konventionen ist das ja nicht gewesen (völkerrecht, un-beschluss, etc) sondern eher ein privater raubzug von bush, blair&co. das heisst dann aber auch, dass bush - als deren häuptling - auch ein feindl. kämpfer ist und bei seinem besuch in ö. eigentlich verhaftet und interniert werden koennte/muesste. oder? wie ist das? ich kenn mich nicht aus.

simma eh lustig
12.06.2006 16:59
Sehr brav, schwarzer Bube!

Könnte in einer Rechtfertigung des amerikanischen Aussenamts für die Folterknechte nicht besser formuliert sein.

AliBarbar
 
12.06.2006 14:52
auch taliban-kämpfer

also soldaten eines staates sind in dieser weise behndelt worden...

manfred maier
manfred maier
12.06.2006 13:37
haben den selbstmord jene us militärzte bestätigt.....

...welche auch in abu ghraib präzise erkannten, dass die fürchterlich zugerichteten folteropfer der besatzer eines natürlichen todes gestorben sind?

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