Deutschland: Telekom-Festnetzsparte bleibt Sorgenkind

19. Juni 2006, 10:14
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Festnetzgeschäft immer stärker unter Druck - Rufnummernmitnahme spielt große Rolle

Die Führung der Telekom-Festnetzsparte würde kein Spaziergang werden, das wusste Vorstand Walter Raizner schon, bevor er im November 2004 von IBM zum TK-Branchenführer nach Bonn wechselte. Daran hat sich bis heute nichts geändert: Noch immer gibt es zuviel Personal, noch immer beklagt das Unternehmen einen kontinuierlichen Kundenverlust in der Festnetzsparte. "Selbst ein Riese wie die Telekom kann einen Aderlass von inzwischen mehr als 100.000 abwandernden Kunden pro Monat nicht lange verkraften", berichtet die Süddeutsche Zeitung. Der Bonner Konzern gerät in seinem angestammten Festnetzgeschäft immer stärker unter Druck. Durch den Verlust von Telefonanschlüssen und Einbußen bei den Erlösen aus den Verbindungsminuten schrumpfte der Umsatz dieser Sparte im ersten Quartal 2006 um mehr als sechs Prozent. Sascha Mattke schreibt für Technology Review, dass der Telekom-Konzern von Vorstandschef Kai-Uwe Ricke schon weiter am Abgrund stehe, als er öffentlich zugebe. Trotz Millionen neuer DSL-Anschlüsse sei das Festnetzgeschäft seit Jahren rückläufig: "Insgesamt sank die Zahl der Telefonanschlüsse bei der Telekom 2005 um 1,5 Millionen."

Portabilität der Rufnummer

"Das größte Sorgenkind im Konzern bleibt die Tochterfirma T-Com, in der der Geschäftsbereich Breitband/Festnetz gebündelt ist", analysiert die Financial Times Deutschland die Präsentation der Ergebnisse des ersten Quartals. Bei den DSL-Anschlüssen gewann das Unternehmen praktisch nur über den Wiederverkauf. Lediglich jeden zehnten neuen DSL-Kunden habe die Telekom im ersten Quartal selbst hinzugewonnen. Zudem gingen 500.000 Telefonanschlüsse im ersten Quartal verloren. "Viele der abwandernden Kunden nehmen ihre Rufnummern zu den anderen Anbietern mit, was wir an der zunehmenden Zahl der Portierungen ersehen können", so Omar Khorshed, Vorstandschef der acoreus AG , im Gespräch mit pressetext. Das Düsseldorfer Unternehmen führt eine Portierungsdatenbank, in der qualitätsgesicherte Informationen zu Portierungen gespeichert sind und zwar zwischen allen Anbietern. Die Portabilität der Rufnummer, also die Möglichkeit, sie beim Wechsel des Telefonanbieters behalten beziehungsweise mitnehmen zu können, gilt als einer der entscheidenden Bausteine bei der Neuordnung des deutschen Telekommunikationsmarktes. Insbesondere für Unternehmen ist die Möglichkeit der Rufnummernbeibehaltung wichtig.

Rufnummernmitnahme

Die Rufnummernmitnahme im Ortsnetz (Local Number Portability/LNP) wurde in Deutschland mit der Entmonopolisierung der Telekommunikation eingeführt. "Das ursprüngliche, bilateral zwischen den Netzbetreibern praktizierte, dezentrale Verfahren zum Portierungsdatenaustausch erwies sich zur zuverlässigen Gewinnung der Information als unzureichend. Denn die wichtigste Kernfrage zur Identifizierung einer Rufnummer blieb offen: in welchem Netz ist die Rufnummer aufgeschaltet. Das Verfahren wurde daher neu spezifiziert und ist durch eine Verfügung der Bundesnetzagentur für alle Netzbetreiber in Deutschland seit Mai 2004 in der neuen Version Pflicht. "Dieser Situation haben wir Rechnung getragen und betreiben eine Portierungsdatenbank, die eine vollständige, bundesweite Datenbasis zu Rufnummernportierungen darstellt. Die Dienstleistungen rund um diese Datenbank sind sowohl für Teilnehmernetzbetreiber wie für Verbindungsnetzbetreiber als auch für Service Provider nützlich", erklärt Khorshed. Für Teilnehmernetzbetreiber interessant sei zum Beispiel die Funktion des Moduls für den Portierungsdatenaustausch. Dieser Service könne auch Kunden angeboten werden, die über keine eigene Infrastruktur verfügen. Und auch für die Verbindungsnetzbetreiber bringe das Angebot Vorteile: Sie könnten ihr Routing und somit die Terminierungskosten optimieren. Insbesondere Serviceprovider benötigen die Portierungsdaten zudem für die Abrechnung der eigenen Dienste gegenüber den Endkunden. (pte)

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