Flotte Fahrt bei Nacht und Nebel

21. April 2007, 10:31
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Nachtsichtgeräte auf Infrarotbasis werden mit teuren Autos gerne mitgekauft - Trotzdem: Verbesserungs-möglichkeiten sind noch vorhanden

Vor zehn Jahren brachte Cadillac ein Nachtsichtsystem auf den US-Markt. Der Erfolg blieb aus. Honda verkauft in Japan schon lange ein Nachtsichtsystem. Nun bieten auch zwei Europäer der Premiumklasse Nachtsichtsysteme an, nämlich BMW und Mercedes. Und sie arbeiten technisch auf völlig unterschiedlicher Basis.

Es gibt grundsätzlich zwei Arten: Passive und aktive Systeme. BMW verwendet ein passives, nennt es Night Vision, Mercedes ein aktives namens Nachtsicht-Assistent. Das BMW-System besteht aus einer Infrarotkamera unterm vorderen Stoßfänger, die Wärmestrahlung aufnimmt. Die Signale werden dann elektronisch verarbeitet und auf einem Monitor in der Mitte des Armaturenbretts dargestellt.

Unterschiede

Das Mercedes-System ist aufwändiger: Zwei Infrarot-Scheinwerfer beleuchten (unsichtbar) die Umgebung. Eine Kamera oben an der Windschutzscheibe fängt die reflektierten Strahlen wieder ein. Auch hier wird die Fahrzeugumgebung auf einem Display dargestellt. Es taucht in gerader Blickrichtung des Fahrers anstatt des Tachometers auf, sobald man das Nachtsichtsystem einschaltet - wie bei BMW durch einen Knopf neben dem Lichtschalter.

Die Reichweite des passiven BMW-Systems liegt bei 300 m jene des aktiven von Mercedes bei 150. Die Bilddarstellung im Mercedes ist gestochen scharf und detailgenau, im BMW erscheinen die Hindernisse eher schemenhaft. Dabei ist die präzise Darstellung im Mercedes nicht unbedingt von großem Vorteil. Schnell entsteht der Effekt, dass man vor lauter Wald die Bäume nicht mehr sieht, während man im BMW beim viel weniger eleganten Bild deutlich schneller das Wesentliche erkennt.

Kernproblem

Andererseits: Die Darstellung zentral in den Armaturen (der analog erscheinende Uhren-Tacho verschwindet, stattdessen taucht der Bildschirm auf, der Tacho taucht nur mehr als Balken am unteren Bildrand auf) erlaubt den Blick aufs Display ohne Kopfdrehung beim Mercedes.

Das Kernproblem betrifft beide: Man kann schwer durch die Windschutzscheibe schauen, was man eigentlich immer muss, und gleichzeitig den Monitor beobachten. Es ist beeindruckend, welch überzeugendes Bildmaterial auf den Monitoren erscheint. Ein unbeleuchteter Radfahrer ist hier längst deutlich zu sehen, den man durch die Scheibe noch nicht einmal erahnt.

Ablenkung

Wirklich vergnüglich ist das Suchspiel aber nur bei stillstehendem Fahrzeug, weil man während der Fahrt die zwei Bilder geistig nicht wirklich auf die Reihe kriegt. Pessimistisch gesagt, könnte durch die Ablenkung, hervorgerufen vom Bildschirm, sogar eine zusätzliche Gefahr ausgehen.

Man kann aber auch nicht behaupten, dass Nachtsichthilfen grundsätzlich ein falscher Ansatz wären, wenngleich sie im Moment noch in einem frühen Entwicklungsstadium stecken. Die wesentlichen Ereignisse müssten in die Windschutzscheibe eingespiegelt werden, wie das ja bereits sehr erfolgreich bei Navigationsansagen und Tachometerwerten gemacht wird. Beide Systeme kosten, abhängig von der Fahrzeug-Normverbrauchsabgabe, rund 2.500 Euro inklusive Steuern. (Rudolf Skarics, AUTOMOBIL, 9.6.2006)

  • Ein neuer Trend kündigt sich an: Sehhilfen wie Nachtsichtgeräte und Headup-Displays (HUD, hier am Beispiel BMW) werden langsam en vogue.
    foto: werk

    Ein neuer Trend kündigt sich an: Sehhilfen wie Nachtsichtgeräte und Headup-Displays (HUD, hier am Beispiel BMW) werden langsam en vogue.

  • Begleiteffekt: Spült über die Zubehörlisten viel Geld in die Kassen der Autobauer. So auch Mercedes’ Nachtsicht-Assistent.
    foto: werk

    Begleiteffekt: Spült über die Zubehörlisten viel Geld in die Kassen der Autobauer. So auch Mercedes’ Nachtsicht-Assistent.

  • Beim Nachtsicht gibt’s unterschiedliche technische Zugänge.
Hier BMWs Night Vision. Zweck jeweils: mehr sehen.
    foto: werk

    Beim Nachtsicht gibt’s unterschiedliche technische Zugänge. Hier BMWs Night Vision. Zweck jeweils: mehr sehen.

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