Rottenbergs Boulevard: Mode mit Verzögerung

11. Juni 2006, 19:01
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Das Publikum in einer Halle eine Stunde dünsten zu lassen, mag in den frühen 80er-Jahren als cool gegolten haben...

Das Publikum in einer (wenn auch genial gewählten, weil malerisch-archaischen) Halle im abgelegeneren Teil der Messe Wien eine Stunde dünsten zu lassen, mag in den frühen 80er-Jahren als cool gegolten haben - in Wirklichkeit war es auch damals bloß arrogant und schnöselig. Und hätte schon im 20. Jahrhundert dem Gezeigten nur geschadet: Am Donnerstag begann gegen 21.30 Uhr - mit nur knapp einer Stunde Verspätung (und zur Halbzeit von einer einstündigen Pause unterbrochen) - die Jahrespräsentation von Veronique Branquinhos Modeklasse an der Universität für Angewandte Kunst.

Der Schau war ein kleines Pfeifkonzert des Volkes vorausgegangen. Freilich: Die Kollektionen - allen voran die von Publikumsliebling Tina Egger und jene der von STANDARD-Moderedakteur Stephan Hilpold vor Ort mit dem Rondo-Modepreis prämierten Ajla Karic, entschädigten für alle Unbill. Aber das hätte zwei Stunden früher genauso funktioniert - und Leute mit bürgerlichen Berufen und Frühaufstehpflicht, die deshalb in der Pause gingen, hätten auch noch mitklatschen können. Und das waren gar nicht so wenige. (rott, DER STANDARD Printausgabe, 10./11.06.2006)

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