IT-Kultur für Frauen

19. Juli 2006, 14:02
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Interdisziplinarität als Schlüssel im IT-Feld: Ein Faktum, das an der Carnegie Mellon University die Zahl der IT-Studentinnen auf satte 40 Prozent ansteigen hat lassen

Seit 35 Jahren sei sie in Sachen Empowerment für Frauen in der IT unterwegs, sagt Lenore Blum von der Carnegie Mellon University (Pittsburgh). Sie selbst studierte Mathematik am M.I.T. - im ersten Jahrgang an dem Princeton Frauen für ihre Graduate Programs zuließ. Der Vortrag "Transforming the Culture of Computing", den Blum im Rahmen eines WIT-Kolloquiums an der TU Wien hielt, beschäftigte sich mit ihren persönlichen Erfahrungen und den Initiativen, die sie an der Carnegie Mellon Uni gesetzt hatte und die nunmehr mit sprunghaft gestiegener Zahl an IT-Inskribentinnen Früchte zu tragen scheint.

Ausgehend vom Internet-Boom der 90er-Jahre in den Vereinigten Staaten lag der Studienschwerpunkt, so Blum, auf der Programmierung. Ein Faktum, das viele Frauen von einer Inskription abgehalten habe. Das Studium lockte höchstens "Hacker-Persönlichkeiten" an, sagt sie. Heute setze man auf Interdisziplinarität. Denn mit der Eröffnung verschiedenster Anwendungsmöglichkeiten - von Biotechnologie bis Filmproduktion - würde auch das Interesse von Frauen am Fach stärker geweckt.

Belegt wurde dies durch eine Studie, die Blum 1995 mit Hilfe des Rektorats ins Leben gerufen hatte. Eine der wichtigsten Erkenntnisse war, dass die größten geschlechtsspezifischen Unterschiede im Zugang zur IT vornehmlich vor Beginn des Studiums festgestellt werden konnten. Während Mädchen den Computer als "Tool" betrachteten, sei er für Buben als technisches Objekt an sich schon spannend genug. Um mehr Mädchen für die IT zu begeistern, galt es also noch während der Schulzeit, entsprechende Maßnahmen anzusetzen: Blum bewegte 240 Highschool-LehrerInnen zu IT-Diversity-Lessons, was der Carnegie Mellon University - aufgrund der LehrerInnen in der Rolle der "Multiplikatoren" - im Jahr 2000 zu einem Anstieg von 18 Prozent an weiblichen Neuinskribenten verhalf. Zudem wurden die Studienpläne an die neuen Anforderungen - weg vom Programmieren, hin zu neuen Kriterien für die Ausbildung zukünftiger Führungskräfte - angepasst. Heute liege die Frauenquote bei fast 40 Prozent. "Ein großer Erfolg", sagt Blum. Zudem werden, in von StudentInnen geführten Roadshows, SchülerInnen spielerisch näher zur Technik gebracht. Gut für beide Seiten: Denn, so Blum, andere zu überzeugen, beweise Führungsqualitäten. (haa, DER STANDARD, Print, 10./11.6.2006)

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    EDV-Kultur im Wandel: Weg vom Fokus Programmieren, hin zu breiteren Perspektiven rund um die IT weckt das Interesse der Frauen stärker.
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