Lost in Business-Translation

14. Juni 2006, 17:28
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Oder: Seien Sie höflich, und verbeugen Sie sich nicht . . .

Das erste Treffen mit Japanern geht garantiert schief. Obwohl der gestandene Manager ja schon einiges weiß: In Japan gebe man sich höflich, verbeuge sich zum Gruß und übergebe Visitenkarten so, dass der Geschäftspartner sie zum Lesen nicht umdrehen muss. Diese Infos allein reichen aber nicht, um mit Japanern erfolgreich zu sein.
  • Punkten mit eleganter Erscheinung.
    Wichtiger als alles, was Sie sagen, ist Ihr Aussehen. Der Dresscode in Japan ist sehr konservativ. Im Klartext: dunkler Anzug. Das gilt immer. Für beide Geschlechter, bei jeder Temperatur. Sie sind in Tokio, es hat 35 Grad im Schatten bei 95 Prozent Luftfeuchtigkeit? Egal, Sie haben in Japan keine Lizenz für Tropenlook. Es gibt genug Klimaanlagen.
  • Japaner verbeugen sich.
    Richtig. Aber nur vor ihresgleichen. Sobald man auf einen Fremden trifft, schalten Japaner auf Handshakes um - peinlich für alle, wenn Sie sich vor einer ausgestreckten Hand verneigen. Daher: Geben Sie beim ersten Treffen die Hand, und punkten Sie mit einer formellen Verbeugung beim Abschied.
  • Visitenkarten immer und überall.
    Nichts ist dem Japaner heiliger als das Ritual des Visitenkarten-Austauschens. Und zwar mit absolut jedem. Daher: Ausnahmslos alle, die an einem Meeting teilnehmen wollen, müssen genügend Visitenkarten haben - wer keine hat, bleibt besser zu Hause.
  • Niemals: Visitenkarten wegstecken - ein absolutes Tabu.
    Noch schlimmer ist nur, wenn Sie das Kärtchen in Ihre Gesäßtasche verstauen. In Japan gilt: So wie Sie die Karte Ihres Gesprächspartners behandeln, so behandeln Sie auch ihn. In die Gesäßtasche stopfen lässt nur einen Schluss zu.
  • Visitenkarten richtig behandeln.
    Übergeben Sie Ihre Karte niemals lässig mit zwei Fingern, sondern feierlich mit beiden Händen. Übernehmen Sie die Ihres Gegenübers ebenfalls mit zwei Händen. Lassen Sie das Kärtchen ja nicht im Anzug verschwinden. Sondern: Legen Sie die Karten Ihrer Businesspartner vor sich auf den Tisch. Den wichtigsten oben, die der Assistenten weiter unten. Wenn Sie nicht wissen, wer wichtiger ist - platzieren Sie die Karten säuberlich nebeneinander. Geheimtipp: Sind die Ecken abgerundet, dann haben Sie die Karte einer Dame vor sich. (Der Standard, Printausgabe 10./11.6.2006)
Thomas Grömer
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