Der weite Zeithorizont der Brasilianer

13. Juni 2006, 15:25
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Zeit als dehnbarer Begriff. Terminpläne und Tagesordnungen stehen bei brasilianischen Führungskräften nicht ganz oben auf den Agenden

Brasilianische Führungskräfte sind sehr flexibel und nicht so fixiert auf Tagesordnungen und Terminpläne. In der Regel sind sie gut vorbereitet und geschickte sowie clevere Verhandlungsführer, die ihre Ziele von Anfang an genau kennen. Sie verfolgen ihre jeweilige Zielsetzung konsequent, selbst wenn ihre Verhandlungsbemühungen für Dritte nicht immer nachvollziehbar sind.
  • Ihr brasilianischer Partner reagiert und kommuniziert schnell
    und wird ein Maximum an Flexibilität aufbringen, um seine Ziele durchzusetzen. Dieses rasche Handeln kann dazu führen, dass Ihr Gegenüber die geführten Gespräche mit anderen aktuellen Projekten verknüpft, in die er involviert ist.
  • Eine elementare Regel
    lautet: Ihr Verhandlungsstil kann genau und konsistent bleiben, solange das Klima freundlich und einvernehmlich ist.
  • Vergessen Sie nicht, unbeschwert zu wirken
    und mit Humor zu glänzen, der für den Kommunikationsfluss immer förderlich ist.
  • Die Realisierung von Projekten
    gehört nicht zu den stärksten Seiten der Brasilianer. Deshalb ist es empfehlenswert darauf zu achten, ob Ihr Partner alle weiteren, abgesprochenen Schritte auch einhält. Wie auch in einigen anderen südamerikanischen Staaten, arbeitet die Bürokratie in Brasilien eher langsam. 
  • Dresscode.
    Trotz hoher Temperaturen sind brasilianische Geschäftsleute konservativ gekleidet. Wenn das Wetter es zulässt, tragen männliche Führungskräfte gewöhnlich elegante Anzüge, oft auch in italienischen und hellen Farben. Krawatten sind nicht nur allgemein üblich, sondern oft erforderlich.
    Hier noch einige praktische Tipps für Ihren Verhandlungsalltag:
  • Während Sie verhandeln, ist es schwierig, konkrete Antworten zu bekommen.
    "Ja" heißt maximal "wahrscheinlich", und "Nein" kommt so gut wie gar nicht vor.
  • Drängendes Verhalten
    wird grundsätzlich als aggressiv empfunden, daher: Erst einmal eine gute Beziehung etablieren, lächeln und sich wirklich für die Person, deren Einstellungen, Werte und Bedürfnisse interessieren. Das ist nicht schwer, da die meisten Brasilianer sehr offen und herzlich sind.
  • Daher landet man häufig auch relativ schnell beim "Du".
    Grundsätzlich gilt aber die Anrede mit "Senhor" (bei Männern) und "Dona" (bei Frauen) plus Vornamen.
  • In Anbetracht der turbulenten Verkehrssituationen
    in Rio und Sao Paulo, aber auch, weil die Brasilianer einfach einen anderen Umgang mit der Zeit haben, sind Verspätungen bis zu einer Stunde keine Seltenheit und werden durchaus toleriert. (Der Standard, Printausgabe 10./11.6.2006)
Sergey Frank*
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