" Ausbildung und Aufstieg"

22. August 2006, 12:44
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Fehlende Weiterbildungsangebote und der Mangel an neuen Aufgaben sind die Hauptgründe für einen Jobwechsel bei jungen Akademikern

"Kaminkarrieren" mit regelmäßiger Beförderung vom Junior bis zum Bereichsleiter sind sehr selten geworden. Die Organisationsformen haben sich gewandelt, Hierarchien sind flacher geworden.

Gleichzeitig ist es den Unternehmen bis jetzt aber noch nicht so richtig gelungen, Alternativen zur klassischen Führungskarriere zu entwickeln: Fach- oder Projektkarrieren als gleichwertige Variante sind noch die Ausnahme, nicht die Regel. "Alle zwei bis drei Jahre erwarten sich gute Leute neue Herausforderungen, sei es durch Beförderung oder durch neue Aufgaben. Wenn ihnen der Arbeitgeber diese Veränderung nicht bieten kann, dann sehen sich diese Leute am Markt nach anderen Möglichkeiten um", fasst Conrad Pramböck zusammen, was er in der Untersuchung von 328 Kandidaten - Akademiker zwischen 25 und 40 Jahren - der Neumann International herausgefunden hat. Die Daten basieren auf Bewerbungsgesprächen vom Jänner bis April 2006.

Grundsätzlich sei diese auf dem Arbeitsmarkt begehrte Gruppe mit ihren Arbeitgebern schon zufrieden, so Pramböck. Kritikpunkt Nummer eins seien aber die fehlenden Weiterbildungsangebote plus der Mangel an Karrierechancen. "Wer sich im Job einsetzt, erwartet von seinem Arbeitgeber weit mehr als die rein finanzielle Abgeltung seiner Leistung." Vor allem jüngere, gut ausgebildete Mitarbeiter wollten sich laufend weiterentwickeln und "fühlen sich im Stich gelassen, wenn ihr Unternehmen aus Kostengründen auf Weiterbildung verzichtet". Pramböck: "Lebenslanges Lernen ist für junge Akademiker kein Schlagwort, sondern ihr unmittelbarer Wunsch."

Jener Punkt im Ergebnis, wonach die 328 Kandidaten auch mit ihrem Gehalt nicht zufrieden waren, überrascht Gehaltsexperten Pramböck nicht: "Überspitzt gesagt sind nur überbezahlte Mitarbeiter mit ihren Bezügen zufrieden." Der Wunsch nach höherer Gage gehe häufig mit einem hohen Leistungswillen Hand in Hand. Insofern läge es auch im Interesse der Unternehmen, die ihre jungen Akademiker binden wollen, ihnen nicht nur Freiräume für die Weiterentwicklung anzubieten, sondern auch auf marktgerechte Entlohnung zu achten. (kbau, Der Standard, Printausgabe 10./11.6.2006)

  • Womit sind junge Akademiker in ihren Firmen unzufrieden?
    grafik: der standard

    Womit sind junge Akademiker in ihren Firmen unzufrieden?

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