Bahn-Nostalgie in Reinkultur

    10. Juni 2006, 17:17
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    Der "Ötscherland-Express": Österreichs steilste Schmalspurstrecke

    Im Jahre 1988 stellten die ÖBB den Betrieb auf der Bergstrecke der schmalspurigen Ybbstalbahn zwischen Lunz am See und Kienberg-Gaming ein, trotzdem fährt an den Wochenenden in den Sommermonaten der "Ötscherland-Express" auf Österreichs steilster Schmalspurstrecke (bis zu 32 Promille), denn die Österreichische Gesellschaft für Lokalbahnen hat einen regelmäßigen Museumsbetrieb eingerichtet.

    Seit Längerem gibt es auch zwischen Lunz und Pfaffenschlag, dem höchsten Punkt der Strecke, einen Bahnwanderweg, auf dem nicht nur die Nostalgiker voll auf ihre Rechnung kommen: Denn dem Ötscherland-Express sind uralte Dampfrösser und sehr betagte Dieselloks vorgespannt, darunter etwa die kastenförmige Dieselmaschine der Reihe 2093, die schon mehr als 70 Jahre auf dem Buckel resp. dem Zylinder hat. Doppeltraktionen sind keine Seltenheit. Fotografierende Wanderer bzw. wandernde Fotografen finden reichlich interessante Motive vor.

    Der Weg, der von Holzapfel bis zum Scheitelpunkt praktisch immer neben den Gleisen verläuft, stellt keine besonderen Anforderungen, die Neigungen sind der Bahn angepasst und halten sich in Grenzen. Nur sollte man die Tour nach dem Fahrplan der Nostalgiezüge planen, sonst herrscht nämlich auf der Bergstrecke absolute Ruhe. Auskünfte gibt der Mostviertel-Tourismus, Tel. (07416) 51 191 (Montag bis Donnerstag 8-16, Freitag 8-12 Uhr).

    Tafeln auf der Route informieren unter anderem über die vielen canyonartigen Einschnitte oder über die Geschichte der Bahn. Leider sind zwei der interessantesten Bauwerke, die nach Trestlework-Art errichtete Wetterbach-und Hühnernestgrabenbrücke, nicht in die Tour einbezogen, auf der man trotzdem angeregt wird, einmal selbst mit dem Ötscherland-Express zu fahren.

    Die Bahnwanderung lässt sich zu einer Runde ergänzen, wenn man von Pfaffenschlag auf der roten Markierung über den Lunzberg zurückkehrt. Es steht jedoch auch dafür, den Rückweg auf der Anstiegsroute zu absolvieren.

    Die Route: Vom Bahnhof Lunz am See folgt man den Wegweisern "Bahnerlebnis-Weg" und der roten Markierung. Ab der Station Holzapfel bleibt man meist in unmittelbarer Nähe der Bahntrasse, wobei einige felsige Einschnitte mühelos umgangen werden. Die Gehzeit zwischen Lunz und Pfaffenschlag beträgt knappe zwei Stunden. Für die Rückkehr auf dem Bahn-Erlebnisweg braucht man ungefähr 1½ Stunden. Für die rot markierte Route über das Gehöft Salchen und den Lunzberg muss man mit einer Gehzeit von rund 2½ Stunden rechnen. Einen Teil der Wanderung kann man auch mit der Schmalspurigen absolvieren.
    Gesamtgehzeit 3½ bzw. 4½ Stunden, Höhenunterschied 300 bzw. 900 m. Gaststätten in Lunz am See. Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 71 (Ybbsitz) (Der Standard, Printausgabe 10./11.6.2006)

    Von Bernd Orfer
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