Szenen einer Ehe

10. Juni 2006, 10:00
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Auch wenn eine Beziehung im Streit zerbricht, darf der eine den anderen nicht aus der Wohnung aussperren - Von Ursula Xell-Skreiner

Szenen einer Ehe können oft grausam sein. Der Göttergatte beichtet, sein Herz an eine andere verloren zu haben, auch für die Frau ist das Engagements eines Liebhabers längst keine Seltenheit mehr. Viel schlimmer noch die Fälle von häuslicher Gewalt. In solchen Situationen wollen die Partner meist nicht mehr weiter unter einem Dach leben.

In der Vorphase einer Trennung kommt es oft vor, dass ein Partner die gemeinsame Wohnung scheinbar bereits verlassen und schon im nächsten Nest Unterschlupf gefunden hat. Der Verlassene – oft voll des Grames und der Schmach – lässt da gern die Schlösser austauschen, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden. Wer freut sich schon über unangekündigten Besuch oder gar eine durchwühlte Wohnung?

Doch Achtung! Solange eine Beziehung, insbesondere eine Ehe, nicht offiziell beendet ist, kann dies gerichtliche Schritte nach sich ziehen. Die Weigerung, dem anderen den ungehinderten Zugang zu seinen Sachen zu gewähren, stellt in null Komma nichts eine Besitzstörung dar.

"Der Besitz mag von was immer für einer Beschaffenheit sein, so ist niemand befugt denselben eigenmächtig zu stören," sagt schon das ABGB aus 1811. Eine Besitzstörung kann als gerichtliches Nachspiel den Auftrag mit sich bringen, dem "Gestörten" wiederum Zutritt zu verschaffen, ihn hinkünftig daran nicht zu hindern und ihm auch noch seine Gerichts- und Anwaltskosten zu ersetzen. Wie kann der zurückgebliebene Mieter oder Eigentümer einer Wohnung dem entgehen?

Bei Beendigung einer Lebensgemeinschaft empfiehlt es sich, die persönlichen Sachen des Verschwundenen – wohlgemerkt unbeschädigt – in ein Ränzchen zu schnüren und ihm nachzuschicken. Ist der "Nachlass" sperrig, nützt ein eingeschriebener Brief mit Terminen, wann die Couch, der Wandverbau o. Ä. abgeholt werden können.

Bei einer Ehe ist das schon schwieriger. Im Eherecht entsteht durch den gemeinsamen Gebrauch der Wohnung und des Inventars oft ein Besitzanspruch beider Ehegatten. Davon ausgenommen sind nur persönliche Gegenstände wie Kleidung, berufliche Unterlagen, medizinische Behelfe, Kosmetika u. Ä.. Solange eine Ehe nicht rechtskräftig geschieden und das eheliche Gebrauchsvermögen nicht aufgeteilt ist, kann ein Schlossaustausch im ersten Anfall von Emotionen eine teure Sache werden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10./11.6.2006)

  • Ursula Xell-Skreiner, Anwältin
    foto: standard/christian fischer

    Ursula Xell-Skreiner, Anwältin

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