Malev macht AUA in Osteuropa Konkurrenz

29. Juni 2006, 13:26
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Ungarische Airline neu in One-World-Allianz - Chef Gönci: "Mit dem Beitritt zur Allianz hat Malev überlebt"

Paris/Budapest - Die vielfach totgesagte ungarische Fluglinie Malev bekommt durch ihren bevorstehenden Allianzbeitritt zu One World wieder eine Zukunft. Der Schuldenstand beträgt umgerechnet 120 Millionen Euro, der Versuch, die nationale Fluglinie Malev zu privatisieren, ist bisher dreimal gescheitert. Trotzdem ist Janos Gönci, Chef der ungarischen Fluglinie, Erleichterung anzumerken. "Mit dem Beitritt zur Allianz One World hat Malev überlebt", sagte er im Gespräch mit dem STANDARD.

Malev hat mittlerweile zehn Prozent ihrer Mitarbeiter abgebaut, Kosten reduziert und die Produktivität der Flotte erhöht. Dieser Optimierungsprozess ist aber laut Gönci bei weitem nicht abgeschlossen. Immerhin schaffte es Malev, den permanenten Verlust von Marktanteilen an die enorme Präsenz der Billigfluglinien in Budapest zu stoppen.

Interner Wettbewerb

Die Fluggesellschaft, die um zwei Drittel kleiner ist als die Austrian-Airlines-Gruppe, dürfte davon profitieren, dass sie in der Allianz One World, zu der unter anderem British Airways, Iberia und American Airlines zählen, seine Exklusivität als einzige Fluglinie Osteuropas auf längere Zeit nutzen kann. Zum Vergleich: In der Star Alliance, in der die AUA ist, stehen mit Wien, Warschau, Kopenhagen, München und Frankfurt gleich fünf Flughäfen in Richtung Osten zur Verfügung. Das sorgt unter den Partnergesellschaften für internen Wettbewerb. Die künftigen Partner der Malev haben angedeutet, in Budapest einiges umsetzen zu wollen. British-Airways-Chef Willie Walsh sieht Budapest als exzellente Drehscheibe in Richtung Osteuropa.

Die Malev will sich nun auf das Verdichten von Frequenzen vor allem Richtung Balkan und Südosteuropa konzentrieren. "Städte, die in einem Umkreis von drei Stunden Flugzeit von Budapest aus entfernt sind, können für uns von Interesse sein. Wenn wir neue Ziele aufnehmen, dann aber nur mit hohen Frequenzen", sagte Andras Zboray, kommerzieller Vorstand.

Ziel Salzburg wird evaluiert

Anders als die AUA, welche etwa die Provinzstadt Pécs anfliegt, plant Malev keine Flüge aus anderen ungarischen Städten ins Ausland. Die Wiederaufnahme einer Verbindung Budapest-Wien wird ausgeschlossen, ein Anflug nach Salzburg hingegen evaluiert, ist gegenwärtig aber nicht oberste Priorität. (Kurt Hofmann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10./11.6.2006)

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