USA: Zins- und Konjunkturängste Ursache für hohe Volatilität

13. Juni 2006, 19:36
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Ein Kommentar von Alexander Sikora-Sikl aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Die US-Aktienmärkte schwächten sich in der abgelaufenen Handelswoche bei anhaltend hoher Volatilität und relativ hohem Volumen neuerlich ab. Dominierendes Thema waren einmal mehr Zins- und Inflationsängste. Zunächst bekräftigte Fed-Chef Bernanke trotz Abflachung der wirtschaftlichen Dynamik die Zinsen weiter anheben zu wollen, um die Inflation unter Kontrolle zu halten. In weiterer Folge schlossen sich auch der Vizepräsident der Fed, sowie vier regionale Fed-Präsidenten in öffentlichen Äußerungen der Meinung Bernankes an. Dies verstärkte den Abwärtstrend am Aktienmarkt, wobei vor allem konjunktursensitive Titel aus der Industrie (Maschinenbau, Chemie, Stahl) zur Schwäche neigten. Aktuell gehen Volkswirte von einer annualisierten Teuerungsrate von 3,3% in den USA aus. Noch zu Jahresbeginn hatte diese Prognose bei 2,9% gelegen.

Die fortgesetzte Abwärtsbewegung bei Rohstoffpreisen brachte die Aktien der Grundstoffindustrie und der Minenbetreiber unter Druck. Bedeutende Rohstoffe wie Gold, Silber, Kupfer, Aluminium oder Zink hatten deutliche Preisabschläge zu verzeichnen. Negativ wurde des weiteren der veröffentlichte ISM Index für den Dienstleistungssektor aufgenommen. Dieser entwickelte sich im Mai deutlich rückläufig und löste unter den Anlegern Sorgen betreffend der Gewinnentwicklung bei Dienstleistungsunternehmen aus.

Auf Unternehmensseite fiel die Nachrichtendichte zuletzt gering aus. Die Aktie von General Motors verlor überdurchschnittlich, nachdem der Vorstandsvorsitzende das Wettbewerbsumfeld als anhaltend schwierig bezeichnet hatte. Gemischte Meldungen waren aus der Halbleiterindustrie zu vernehmen. Intel plant derzeit umfangreiche Preisnachlässe um bis zu 60% um Marktanteile von AMD zurück zu gewinnen. US Investmentbanken befürchten nun einen Preiskrieg zwischen den beiden Unternehmen und senkten daraufhin ihre Gewinnschätzungen für die beiden Gesellschaften ab. Texas Instruments hingegen profitierte vom Mobiltelefonboom in China und Indien, so dass der Produzent von Handychips seine Gewinnprognosen für das Gesamtjahr. anhob. Die Gewinnaussichten für das laufende Geschäftsjahr erhöhte auch der Einzelhändler Target. Das Unternehmen profitierte von seiner Expansion im Kreditkartengeschäft. Auf Gewinnerseite stand Google, nachdem das Internetunternehmen ein kostenloses Konkurrenzprodukt zum Spreadsheetprogramm Excel von Microsoft angekündigt hatte. Human Genome konnte nach einem Kooperationsvertrag mit Novartis, welcher dem Biotechunternehmen über 500 Mio. USD einbringen wird, relative Stärke zeigen.

Weiterhin wird der Markt von Inflations- und damit auch Konjunkturängsten beherrscht. Daran dürfte sich unserer Ansicht nach auch in der kommenden Woche wenig ändern. Zwar melden bereits erste große Gesellschaften (u.a. Goldman Sachs) ihre Quartalszahlen, das Hauptaugenmerk der Anleger dürfte jedoch auf die veröffentlichten Konjunkturindikatoren gerichtet bleiben. Von diesen werden vor allem der Konsumentenpreisindex und die Einzelhandelsumsätze Beachtung finden. Insgesamt gehen wir in diesem schwierigen Umfeld von einer anhaltend hohen Volatilität und einer Fortsetzung der Konsolidierungsphase aus.

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