Europa: Achterbahnfahrt der europäischen Leitbörsen

13. Juni 2006, 19:36
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Ein Kommentar von Ronald Stöferle aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Die Achterbahnfahrt an den europäischen Leitbörsen setzte sich in der abgelaufenen Handelswoche fort. Nach einem zunächst freundlichen Wochenbeginn schlug die Anlegerstimmung rasch um und es setzte weiter Kursverluste. Beherrschende Themen an den Weltmärkten sind nach wie vor die Inflationsangst in den USA, sowie die Möglichkeit einer Abschwächung der US-Konjunktur. Auch der weiterhin brodelnde Atomstreit mit dem Iran sowie die volatilen Rohstoffpreise sorgten für Verunsicherung. Donnerstag nachmittags erhöhte die EZB den Leitzins erwartungsgemäß um 25 Basispunkte auf 2,75 Prozent, die Erhöhung war jedoch schon in den Kursen eingepreist.

In der Konsolidierung der europäischen Börsenlandschaft bleibt es weiterhin spannend. Nach der Bekanntgabe der spektakulären „Fusion unter Gleichen“ zwischen Euronext und NYSE, sieht der Vorstand der Deutsche Börse AG, Reto Francioni, noch immer gute Chancen mit Euronext zu fusionieren. Auch ein verbessertes, feindliches Übernahmeangebot für Euronext steht weiterhin im Raum. In der vergangenen Woche hatte sich die Euronext auf eine Fusion mit der amerikanischen NYSE verständigt, wobei dieser Zusammenschluss noch keinesfalls unter Dach und Fach ist und der Zustimmung der Aktionäre bedarf. Weiters steht eine Fusion bzw. eine intensivierte Kooperation mit dem schweizerischen Börsenbetreiber SWX im Raum. Euronext ist zudem bemüht die Mailänder Börse zu übernehmen.

In der britischen Hauptstadt steht der Flughafenbetreiber BAA im Fokus der Anleger. Presseangaben zufolge wird das Konsortium um den spanischen Baukonzern Grupo Ferrovial sein Übernahmeoffert für den Flughafenbetreiber aufstocken. Daneben erklärte die australische Commonwealth Bank of Australia, dass sie sich einem möglichen Übernahmeangebot von einem durch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs geführten Bieterkonsortium anschließen wird.

Der Pharmakonzern Merck dürfte seinem Wettbewerber Bayer bei der Übernahme des Berliner Pharmakonzerns Schering offensichtlich Steine in den Weg legen. Nach Ansicht von Branchenexperten will Merck die Annahmequote für die Übernahme von Schering drücken und sich damit einen möglichst hohen Anteil an der künftigen Bayer Schering AG sichern. Möglicherweise will man auf diese Weise Hedgefonds und anderen potenziellen Investoren signalisieren, dass man einen höheren Wert als 86 Euro je Schering Aktie für gerechtfertigt hält.

Für die nächste Handelswoche erwarten wir uns Impulse durch die Veröffentlichung des ZEW-Index in Deutschland sowie der Inflationsdaten für die Eurozone. Generell ist mit weiterhin hoher Volatilität (der VDax befindet sich auf dem höchsten Niveau seit zwei Jahren) sowie überproportionalen Reaktionen auf die Vorgaben der amerikanischen Leitbörsen zu rechnen.

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