"Politischer Tsunami" droht dem ORF - Mit Gewinnspiel

26. Juni 2006, 11:59
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Neues Buch "Der Auf­trag" - Neisser: "ORF wird als Besitz be­trach­tet, Politiker fühlen sich als Hausherren"

Noch nie in der Geschichte der Zweiten Republik wurde der medienpolitische Machtanspruch so ungeniert artikuliert wie unter der 'Wenderegierung'", schreibt Heinrich Neisser. Der bürgerliche Intellektuelle, frühere ÖVP-Klubobmann und Nationalratspräsident: "Der ORF wird als Besitz betrachtet, Politiker fühlen sich als Hausherren."

"Der Auftrag"

Der Befund des Bürgerlichen macht nur den Anfang: 57 Journalisten, Politiker, Wissenschafter, Künstler, ORF-Veteranen haben Beiträge verfasst für "Der Auftrag". Herausgegeben hat sie eine Gruppe von besorgten ORF-Mitarbeitern, die sich derFreiRaum nennt. Besorgt sind sie um die Zukunft ihres Unternehmens, besorgt über dessen Positionierung, besorgt auch wegen politischen Drucks auf die Anstalt.

Verwaltungsrichter Hans Peter Lehofer, zuvor erster Chef der Medienbehörde, korrespondierte zum Beispiel mit ORF-Generalin Monika Lindner, weshalb die Anrufsendung "Quiz Express" "den Qualitätsanforderungen eines öffentlich-rechtlichen Programmes entspricht". Er wartet bis heute auf Antwort.

Programm noch unabhängig?

Peter Pawlowsky, den langjährigen Religionschef des ORF, "beschleicht ein doppelter Zweifel: Ist dieses Programm noch unabhängig? Und wie groß ist noch sein kreatives Potenzial?"

"Angst vor Quotenverlust"

Kurt Langbein, Autor, TV-Produzent und bis 1989 selbst im ORF: "Angst vor Quotenverlust gepaart mit Angst vor den Mächtigen produzieren ein Klima wie jenseits von Kreativität und bescheren gleichermaßen den Verlust an Identität und Quote."

Lesen statt Glotze

Für Friedrich Achleitner, Architekt, Schriftsteller und STANDARD-Autor, erfüllt der ORF seinen Bildungsauftrag vorbildlich: "Ich bin dem Fernsehen für das lähmende und uninteressante Abendprogramm wirklich dankbar, weil ich nicht mehr verführt werde, die Glotze aufzudrehen und endlich wieder zum Lesen komme. Es ist so beruhigend, auch nicht einmal mehr Informationssendungen anschauen zu müssen."

Jagdhobby

STANDARD-Chefredakteur Gerfried Sperl spielt auf der Generalin Jagdhobby an und vergleicht: Exgeneral Gerd Bacher "schoss mit seinem rhetorischen Gewehr auf die Parteien. Monika Lindner ist die Flinte einer Gruppierung".

Heribert Steinbauer, ehemaliger ORF-Generalsekretär und ÖVP-Abgeordneter, warnt vor einem "politischen Tsunami": "Wenn keine besonderen Leistungen des ORF gesehen, gehört und vor allem gespürt werden, dann kann der Ruf nach Abschaffung der Gebühren rascher kommen, als man es im ORF ahnt." (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 12.6.2006)

derStandard.at/Etat verlost drei Exemplare dieses Buches.

>>> Zum Gewinnspiel

  • derFreiRaum (Herausgeber), Der Auftrag - Öffentlich-rechtlicher Rundfunk: Positionen, Perspektiven, Plädoyers, Sonderzahl, Wien 2006, 216 Seiten, 16,00 Euro.
    foto: freiraum

    derFreiRaum (Herausgeber), Der Auftrag - Öffentlich-rechtlicher Rundfunk: Positionen, Perspektiven, Plädoyers, Sonderzahl, Wien 2006, 216 Seiten, 16,00 Euro.

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