Manager wollen stärkere, strategische Aufsichtsgremien

27. Juli 2006, 14:14
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Eurosearch hat im Auftrag von Neumann Partners die Verbesserungswünsche im Detail erhoben. Grundtenor: Es kann nicht so bleiben, wie es ist

Der Bawag-Skandal hat die heimischen Aufsichtsgremien unter Beschuss gebracht. Erschreckende Passivität der Boards, Wohlverhalten ihrer Mitglieder und mangelnde Expertise wurden aufgedeckt. Nicht verwunderlich, dass Geschäftsführer und Vorstände den Kontrolloren in einer aktuellen Umfrage nach dem Schulnotensystem überwiegend einen Dreier verpassen. Interessant wird es im Detail bei den 412 Befragten:

Sie wollen stärker international besetzte Boards mit einem höheren Frauenanteil und einer starken strategischen Ausrichtung. Sie wollen eine hohe Verbindlichkeit in der Haftung und eine Begrenzung der Mandate. Implizit ist in der Umfrage, die eurosearch dialog im Auftrag der Personalberatung Neumann Partners durchgeführt hat, viel Kritik enthalten: Vornehmlich an der Passivität der Gremien und an ihrer mangelnden strategischen Expertise. 95,3 Prozent sagen, dass Aufsichtsratschefs auch außerhalb der regulären Sitzungstermine Gespräche mit dem Vorstand suchen sollen.

Mehr Frauen erwünscht

Dazu sollen aber auch die Operativen in die Pflicht genommen werden: Detaillierte Berichtspflichten des Vorstandes und mehr gegenseitige Information wird als ein Muss gesehen. Dass 71 Prozent mehr Frauen in der Aufsicht sehen wollen, könnte zudem als Kritik am viel zitierten Old-Boys-Network gedeutet werden. Obwohl: Ein ideales Alter für Aufsichtsräte sehen die Manager nicht - nur ein Drittel sagt "zwischen 45 und 60".

Was kennzeichnet Integrität und Unabhängigkeit? Keine parteipolitischen Funktionen und eine finanzielle Unabhängigkeit, sagen die Manager. Zur Gage der Aufsichtsräte wollen sie Abgeltung nach der aufgewandten Zeit.

Als wichtigste Eigenschaften nennen 76,1 Prozent "Kritik- und Analysefähigkeit", über 48 Prozent Argumentationsstärke und 42 Prozent Konfliktfähigkeit. Führungserfahrung wird ebenfalls als sehr wichtig gesehen. Als Priorität erscheinen aber strategische Fähigkeiten.

Unabhängiges Hearing

Mehr als fünf Mandate pro Aufsichtsrat hält nur eine Minderheit für sinnvoll. Natürlich sollen sich die Eigentümer ihre Aufsichtsräte aussuchen dürfen, aber nicht nach dem Prinzip "Vertrauensperson" , sagen 82 Prozent. Gewünscht wird ein unabhängiges Hearing.

"Erfreulich und bestärkend" kommentiert Auftraggeber Helmut Neumann diese Ergebnisse, die ihm für seine "Board Services" in der Personalberatung als Unterstützung dienen. (Karin Bauer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10./11.6.2006)

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