Der König der aberwitzigen Sprüche

18. Juni 2006, 19:58
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Prinz Philip ist König des Fettnäpfchens - Zu seinem 85.ten Geburtstag ist eni Buch über seine Ausrutscher erschienen

Wird ein Prinz 85, schreibt man ihm schon mal was Nettes in der Zeitung. Bei Philip, dem Duke of Edinburgh, dem Gatten der Queen, hat die Zuneigung freilich solche Ausmaße erreicht, dass ihm übereifrige Journalisten gleich ein ganzes Buch widmen. Wobei der Titel verrät, dass es nicht unbedingt eine Laudatio ist: „The Duke of Hazard“ - „Der Graf des Risikos“.

Zwei Lager

Mit viel Liebe zum Original haben zwei Briten, Phil Dampier und Ashley Walton, penibel zusammengetragen, was dem barschen Blaublut so alles an Fettnäpfchen im Weg stand. Wo die Königin majestätisch schweigt, kommt ihr Gemahl schnell zur Sache. Eine Eigenart, die seine Landsleute fast genauso strikt in zwei Lager teilt wie die Frage, ob man den Tee auf die Milch gießt oder andersherum. Die einen feiern den Kauz als Letzten der Mohikaner, übrig geblieben aus einer Welt, die den Begriff „political correctness“ nicht kannte. Andere halten den Mann für einen notorischen Meckerer, der seine Zunge schlicht nicht im Zaum halten kann.

Altbekannt

Die alten Zoten, die sind ja schon zigfach gedruckt. Der Witz über die Ungarn, die alle Bierbäuche haben. Das Bonmot auf Kosten der Chinesen, als er britische Studenten in Peking warnte: „Wenn ihr noch länger bleibt, kommt ihr mit Schlitzaugen nach Hause.“ Der kurze, aber klare Monolog im Angesicht eines schottischen Fahrlehrers: „Wie schaffen Sie es nur, die Einheimischen so lange vom Whisky abzuhalten, dass sie die Fahrprüfung bestehen.“ Oder dass er Helmut Kohl als den Herrn Reichskanzler ansprach. Alles altbekannt.

Spötter unterwegs

Weniger bekannt ist, wie Philip über die australischen Aborigines denkt. „Bewerft ihr euch immer noch mit Speeren?“, fragte er anno 2002. Ein virtuos blasender Didgeridoo- Künstler, der ihm erzählte, wie er auf einem Staubsaugerrohr spielen lernte, bekam zu hören: „Na, hoffentlich war der Staubsauger nicht angeschlossen.“

Im englischen Reading von Schulmädchen in blutroten Uniformen umringt, scherzte der alte Haudegen: „Ihr seht ja aus wie Draculas Töchter.“ Auf Staatsreisen in Deutschland wurde ihm Wein offeriert, angeblich stamme der edle Tropfen aus dem nördlichsten Weingut der Welt. „Ich weiß schon, ich will Freundlichste zu. Die Antwort: „Na und?“

Tourismus stoppen

Apropos. Touristen haben sowieso nichts zu lachen bei His Highness. Die nervenden Londoner Staus führt Philip allein auf die vielen Fremden zurück: „Könnten wir den Fremdenverkehr stoppen, hätten wir auch keine verstopften Straßen mehr.“ Die feinen Manieren echter Gentlemen weiß er durchaus bissig zu kommentieren, etwa, wenn er sieht, wie ein Mann einer Frau die Wagentür aufhält. „Da kommen nur zwei Dinge infrage: Entweder ist die Frau neu oder das Auto.“

Britinnen können partout nicht kochen, junge Menschen sind ignorant, Iren streitsüchtig, und Reporter, die findet er abscheulich. Simon Kelner, als Chefredakteur des Independent zum Bankett nach Windsor geladen, schildert: „Was tun Sie hier?“, faucht der Duke. „Sie haben mich eingeladen.“ „Tja, Sie mussten nicht kommen.“ Selbst das Militär, das der frühere, auf Korfu geborene Flottenoffizier (daher kommt sein Spitzename „der Grieche“) aus tiefster Seele verehrt, ist nicht gefeit vor seinen Spitzen. Steht ein Armeeveteran vor ihm, stolz wie ein Spanier, die Brust voller Orden – was fällt dem König der klaren Aussagen ein? „Sagen Siemal, tragen Sie auch auf dem Rücken Medaillen?“

Im Schatten

Seine Familie kriegt ihr Fett so oft ab, dass sich zart besaitete Menschen fragen, wie es die Windsors überhaupt so lange mit ihm aushalten konnten. Psychologen geben des Prinzen zweitrangiger Rolle die Schuld an seinen Tiraden, denn seit 60 Jahrenmuss er im Schatten Elizabeths stehen. Er scheint das durchaus ähnlich zu sehen. Einst, in Australien, stellte ihm ein Mister Robinson seine Ehefrau vor: Dr. Robinson sei Dozentin für Philosophie, „viel wichtiger als ich selbst“. „Ach ja“, seufzte Philip, „wir haben zu Hause denselben Ärger.“ (DER STANDARD Printausgabe, 10./11.06.2006)

Frank Herrmann aus London
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