Warum sich vergleichbar machen?

25. Juni 2007, 13:30
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Graf Stephan von Neipperg ist Winzer im Bordelais und gilt als Kenner des internationalen Weinmarktes. Mit Luzia Schrampf sprach er über Chancen für österreichischen Rotwein und Zukunftsmärkte

STANDARD:: Wie schätzen Sie die Chancen für österreichischen Wein, speziell für österreichischen Rotwein ein, für die Sorten und für den Weinstil, den Österreich produziert?

Neipperg: Österreichischer Weißwein hat sein Standing gefunden, unanfechtbar. Bei Rotweinen erleben wir im Moment eine enorme Aufbruchsstimmung. Konzentration war eine Zeit lang das Wichtigste, aber manche denken darüber nach, dass man dabei vielleicht zu weit gegangen ist. Der Konsument sieht derzeit auch noch Eiche und Holz hinter dem Wein und versteht erst sehr langsam, dass ein Wein harmonisch ist, wenn man die Eiche gar nicht mehr spürt. Bei manchen Weinen sehe ich also noch sehr stark das Holz rauskommen. Aber die Aufbruchsstimmung ist gut, und die nächste Arbeit wird die Verfeinerung: welche Klone sind da, gibt es alte Anlagen, welche Unterlagsreben sind sinnvoll . .

STANDARD:: Für welche Rebsorten sehen Sie Möglichkeiten?

Neipperg: Ich bin mir nicht sicher, ob für Österreich der Cabernet Sauvignon die geeignete Rebsorte ist. Ich bin überzeugt, dass Merlot zum Beispiel sinnvoller ist, wenn man schon eine Bordelaiser Rebsorte haben möchte. Aber warum muss man sich international so vergleichbar machen? Österreich hat den Blaufränkischen, St. Laurent und andere eigene Rebsorten, und mit denen kann man hervorragende Sachen machen.

STANDARD:: Mit welchen Ländern, Regionen werden wir uns messen müssen?

Neipperg: Letztendlich kommt man nicht drum herum, sich mit der ganzen Welt messen zu müssen. Und das sind auch Länder, die ganz andere Voraussetzungen haben wie Argentinien oder Chile. Nur, ich bin mir nicht sicher, ob Chile & Co den richtigen Weg gehen . .

STANDARD:: Wo sehen Sie die Zukunftsmärkte?

Neipperg: Zuerst einmal im asiatischen Raum, und da vor allem Indien und China und zwar Peking und Co, nicht nur Shanghai. In Indien z. B. gibt es eine reiche Oberschicht, die Wein mag. Und Weinbau in Indien hat das Problem, dass es keine Saisonen, keinen Winter gibt. Das bedeutet, sie werden zwar ganz anständige Weine zusammenbringen, aber top kann das nicht werden. Dann gibt es jene Generation, die vor zehn, fünfzehn Jahren mit Coca-Cola und anderen plakativen Dingen sozialisiert wurde. Und das setzte sich auch bei Weinen fort. Sie mochten Plakatives wie manche Überseeweine oder Weine mit Restzucker oder eindimensionaler Frucht. Diese Masse von Leuten entwickelt sich. Und die möchten dann Interessanteres trinken. (DER STANDARD - Printausgabe, 10./11. Juni 2006)

Zur Person

Stephan Graf von Neipperg stammt aus deutschem Weinadel, ging vor 21 Jahren nach Frankreich, übernahm nach dem Château Canon La Gaffelière noch weitere sechs Weingüter, die er umstrukturierte. Darunter sind sowohl Châteaus, die in der Upper Class spielen wie La Mondotte, als auch solche, in denen Preis-Leistungs-Weine produziert werden. Er ist auch Teilhaber am Bessa-Valley-Weingut in Bulgarien.

Link

www.neipperg.com

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  • Stephan Graf von Neipperg
    foto: herbert lehmann

    Stephan Graf von Neipperg

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