Detektivgeschichte: Gefälschte Dokumente

9. Juni 2006, 19:22
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Privatdetektiv verklagt Ex-FPÖ-Mitarbeiter

Wien - In der Detektivaffäre, die seit mehreren Tagen schwere Vorwürfen zwischen BZÖ und FPÖ bringt, klagt nun eine Schlüsselfigur die andere: Der Privatdetektiv Dietmar Guggenbichler beschuldigt den ehemaligen FPÖ-Mitarbeiter Josef Feinig, seine Unterschrift auf jener Auftragsbestätigung gefälscht zu haben, die beweisen soll, dass die Kärntner FPÖ Jörg Haider bespitzeln lies.

Zur Erinnerung: Haider behauptet, sein direkter Konkurrent, Kärntens FPÖ-Spitzenkandidat Karlheinz Klement, hätte Guggenbichler mit Nachforschungen beauftragt. Klement gibt das auch zu - allerdings habe er das privat getan, über Vermittlung seines Mitarbeiters Feinig. "Ich persönlich habe Guggenbichler nicht gekannt. Ich habe auch nicht genau hinterfragt, wer er ist - das war mein Fehler. Aber selbstverständlich hatte ich Interesse an diesen Unterlagen", meint er im STANDARD-Gespräch.

Wer steckt dahinter?

Klement vermutet inzwischen das BZÖ hinter der ganzen Aktion. Feinig, der nur ein Mitarbeiter und nicht seine rechte Hand gewesen sei, hätte in Haiders Auftrag agiert und wäre auch immer wieder in seinem Büro gewesen. "Davon ist mir nichts bekannt", dementiert Haider-Sprecher Stefan Petzner.

Laut Guggenbichler hat Feinig jedenfalls eine zentrale Rolle in der Affäre gespielt. Er habe ihn kontaktiert und das Treffen mit Klement organisiert, er habe später auch privates Material über Haider verlangt. Guggenbichler zum Standard: "Dafür hätte ich mich nicht hergegeben, Wir kennen uns seit 1983."

Suppenkoch

Eine Woche vor Ostern sei er dann von Klement angerufen worden, der ihm gesagt habe, mit Feinig solle er nicht mehr zusammenarbeiten, denn der koche "seine eigene Suppe". Feinig wollte kurz darauf eine Bestätigung über den Auftrag von ihm, die er ihm aber nicht gegeben habe. Daraufhin habe Feinig seinen Notizblock, der seinen Briefkopf trägt, gestohlen und eine Bestätigung gefälscht. Sie trägt das Datum 29. Mai - an diesem Tag war Guggenbichler nach eigenen Angaben aber in Linz.

Ausgezahlt hat sich die ganze Aktion für die FPÖ jedenfalls nicht: Denn "schlüssiges Material" (Guggenbichler) konnte der Detektiv der FPÖ nicht liefern. Die 10.000 Euro Honorar bekam er aber sehr wohl. Für Guggenbichler ist der Auftrag jetzt beendet. "Wenn mich ein Auftraggeber so hintergeht, fühle ich mich nicht mehr verpflichtet." (DER STANDARD, Printausgabe 10./11.6.2006)

Von Barbara Tóth
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